Bei einem Luftangriff der US-geführten Militärkoalition sind im syrischen Rakka nach Angaben von Aktivisten 21 Zivilisten getötet worden. Die Menschen seien getroffen worden, als sie auf dem Fluss Euphrat in kleinen Booten vor der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) fliehen wollten, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London. Die oppositionsnahen Aktivisten stützen sich auf ein Netzwerk von Informanten vor Ort. Von unabhängiger Seite sind ihre Angaben kaum zu überprüfen.

Unter den Opfern seien auch Frauen und Kinder. Die Zahl der Todesopfer könne noch weiter steigen, da mehrere Verletzte in kritischem Zustand seien, berichtete die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle. Die Anti-IS-Koalition unterstützt seit dem vergangenen November die Rebellenallianz SDF militärisch aus der Luft sowie mit Waffenlieferungen. Auch russische Kampfflugzeuge flogen zuletzt eine Serie von Angriffen auf IS-Kämpfer auf dem Weg von Rakka nach Palmyra. Der Koalition zufolge sind bereits 200.000 Zivilisten aus der Stadt geflohen.

Die kurdisch-syrischen Kräfte haben nach eigenen Angaben ihre Offensive zur Vertreibung der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) aus Rakka begonnen. Sie hätten den IS am Stadtrand an drei Punkten angegriffen, sagte Resan Hiddo, politischer Vertreter der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF). Eine offizielle Ankündigung werde "innerhalb von Stunden" folgen. Die Aktivistengruppe "Raqa is Being Slaughtered Silently" ("Rakka wird schweigend abgeschlachtet") meldete Artilleriefeuer, das mehr als zwei Stunden lang über der Stadt zu hören war. Ach diese Aktivistengruppe berichtete ähnlich über den Luftangriff, bei dem Zivilisten starben. Demnach versuchen Zivilisten verstärkt, in kleinen Booten über den Euphrat zu fliehen, nachdem die beiden größten Brücken aus der Stadt heraus zerstört worden seien. 

UN und NGO kritisieren Zunahme ziviler Opfer

Nichtregierungsorganisationen kritisieren, dass es in jüngster Zeit vermehrt zivile Opfer bei den Luftangriffen der Koalition gebe. Die Vereinten Nationen riefen die Koalition Ende Mai eindringlich zu einem besseren Schutz von Zivilisten auf. "Alle Staaten", die derartige Einsätze flögen, müssten "viel sorgfältiger darauf achten, zwischen legitimen militärischen Zielen und Zivilisten zu unterscheiden", sagte UN-Menschenrechtskommissar Zeid Ra'ad Al Hussein.

Die Zahl der zivilen Opfer durch Luftangriffe der von den USA geführten Koalition erreichte laut der Beobachtungsstelle zuletzt einen neuen Höchststand. In nur einem Monat, zwischen dem 23. April und dem 23. Mai dieses Jahres, seien 225 Zivilisten getötet worden, darunter viele Kinder.