Am dritten Tag der Offensive auf die nordsyrische Stadt Rakka sind offenbar wieder Zivilisten getötet worden. Die Bomben der US-geführten Militärkoalition hätten unter anderem ein Internetcafé getroffen, berichten Aktivisten. Sie sprechen von mindestens 17 Toten.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte rechnet mit weiteren Toten, da es zahlreiche Verletzte geben soll. Dabei stützt sich die Organisation auf ein Netzwerk von Informanten vor Ort, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen. Bereits am ersten Tag hatten die Aktivisten gemeldet, dass bei Luftangriffen 21 Zivilisten getötet worden seien, die in Booten über den Fluss Euphrat flohen.

Derzeit kämpfen Einheiten des kurdisch-arabischen Bündnisses SDF mit Unterstützung der US-Koalition gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), die die Stadt Rakka 2014 eingenommen hatte. Nach einem siebenmonatigen Vormarsch drangen die Kämpfer in die Stadt ein, um sie zurückzuerobern. Rakka ist neben Mossul im Irak die wichtigste verbliebene Hochburg der Islamisten. Aus Militärkreisen hieß es, dass es schwere Kämpfe gebe und die Extremisten Tunnel in der Stadt angelegt hätten.

Syrien - Soldatinnen kämpfen gegen den IS Ungefähr 1.000 Frauen der Demokratischen Kräfte Syriens liefern sich bei Rakka Kämpfe mit den Dschihadisten. Nicht alle Einheimischen haben Verständnis für die Kämpferinnen. © Foto: Screenshot/AFP

Die Vereinten Nationen (UN) äußerten sich besorgt über die Sicherheit der Zivilisten in der Stadt, weil durch die Luftangriffe und den Beschuss verstärkt die zivile Infrastruktur getroffen geworden sei. Darunter mehrere Schulgebäude, eine Bank, ein Museum und eine Moschee. Die UN registrierten neun getötete Zivilisten seit Beginn der Offensive. Mehr als 95.000 Menschen hätten die Stadt bereits verlassen. Die Organisation geht allerdings davon aus, dass bis zu 160.000 Menschen in der Stadt humanitäre Hilfe benötigen.

Krankenhäuser unter Beschuss

In ganz Syrien gab es 2016 laut einer Studie der Fachzeitschrift The Lancelet 400 gezielte Attacken auf Krankenhäuser und medizinisches Personal. 261 Menschen seien bei den zwischen November 2015 und Dezember 2016 registrierten Angriffen getötet und fast 700 weitere verletzt worden, heißt es in dem Artikel. Demnach setzen die Konfliktparteien gezielt Gewalt ein, um den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu blockieren.

Der Untersuchung zufolge wurde im vergangenen Jahr fast jedes zweite Krankenhaus in den von Rebellen kontrollierten Gebieten attackiert, ein Drittel von ihnen mehrfach. Die Studie beruht auf Daten, die von Krankenhausmitarbeitern via WhatsApp gesammelt wurden. Die Angaben der knapp 300 Informanten wurden mit anderen Berichten über die jeweiligen Angriffe abgeglichen.

Der Bürgerkrieg in Syrien dauert inzwischen länger als sechs Jahre; in dieser Zeit wurden mehr als 320.000 Menschen getötet und millionen Menschen in die Flucht getrieben.