Die britische Premierministerin Theresa May hat einige Ministerposten in ihrer Regierung neu verteilt. Neuer Kabinettschef und de facto Vize-Premierminister wird der bisherige Arbeitsminister Damian Green, ein enger Vertrauter der Regierungschefin. Er gehört dem liberalen Tory-Flügel an und war beim Brexit-Referendum für einen Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union.

Sein Nachfolger als Arbeitsminister ist David Gauke, der bisherige Chefsekretär des Schatzamtes. Gaukes bisherigen Posten übernimmt die umstrittene Justizministerin Liz Truss. David Lidington, der Vorsitzende des Unterhauses, wird neuer Justizminister.  

Bereits am Freitag hatte May bekannt gegeben, dass die fünf wichtigsten Minister im Amt bleiben, darunter Außenminister Boris Johnson und Schatzkanzler Philip Hammond. Auch Innenministerin Amber Rudd, Verteidigungsminister Michael Fallon sowie Brexit-Minister David Davis sollen ihre Posten behalten. Greg Clark bleibt Wirtschafts- und Industrieminister. Sie bestätigte auch Liam Fox als Handelsminister und Justine Greening für das Bildungsressort.

Johnson dementierte Spekulationen, dass er einen Sturz Mays orchestrieren und für ihren Posten an der Parteispitze kandidieren wolle. Einen entsprechenden Bericht der Zeitung Mail on Sunday nannte er auf Twitter "Mumpitz". Er unterstütze Theresa May: "Lasst uns weiterarbeiten."

Als Umwelt- und Agrarminister holte May überraschend Michael Gove ins Kabinett. Der damalige Justizminister hatte im Vorfeld des Brexit-Referendums im vergangenen Jahr für einen Ausstieg Großbritanniens aus der EU geworben und sich nach dem Rücktritt von Premierminister David Cameron für dessen Nachfolge kandidiert. Er konnte sich aber innerhalb der Konservativen Partei nicht durchsetzen. Als stattdessen May Premierministerin wurde, wurde Gove aus der Regierung entlassen.

In der vergangenen Woche verloren Mays Konservative bei der Parlamentswahl die absolute Mehrheit. Nun verhandeln sie mit der nordirischen Partei DUP über eine Duldung einer konservativen Minderheitsregierung. Ziel ist ein Arrangement, bei dem die DUP die Tories bei Vertrauens- und Haushaltsabstimmungen unterstützt. Eine engere Zusammenarbeit mit der äußerst konservativen DUP schließen viele Tories aber aus.

Irische Regierung sorgt sich

Eine Vereinbarung mit der DUP könnte die fragile Balance zwischen den britischen Loyalisten und den irischen Nationalisten in Belfast gefährden, deren Regierungskoalition dieses Jahr gescheitert war. Der irische Regierungschef Enda Kenny sagte, er habe in einem Telefonat mit May seiner Sorge darüber Ausdruck verliehen.

Für May drängt die Zeit, denn die Regierung muss bei der Queen's Speech am 19. Juni ihr Programm vorstellen. Auf die Rede folgen mehrere Tage mit Debatten, anschließend kommt es zu einer Abstimmung. Verliert May dieses Votum, könnte dies ihre Regierung zu Fall bringen.

Labour-Chef Jeremy Corbyn sagte, er wolle seine eigenen Forderungen nach einem Ende der Sparpolitik in der Thronrede der Königin verankert wissen. Ansonsten werde seine Partei gegen May stimmen. Er vermute ohnehin, dass noch 2017 wieder neu gewählt werde: "Ich glaube nicht, dass Theresa May und ihre Regierung irgendeine Glaubwürdigkeit haben."