Der Vorsitzende der britischen Liberaldemokraten, Tim Farron, hat seinen Rücktritt erklärt. Er habe sich zwischen seinem politischen und seinem religiösen Leben zerrissen gefühlt, teilte Farron mit. Zuvor war er in der Partei wegen seiner Ansichten zu den Themen Homoehe und Abtreibung in die Kritik geraten.

"Ein politischer Anführer zu sein und als bekennender Christ zu leben und sich pflichttreu an die Lehren der Bibel zu halten, hat sich für mich unmöglich angefühlt", wurde Farron zitiert. Es sei ihm unmöglich gewesen, der Chef einer fortschrittlichen, liberalen Partei zu sein und zugleich an den Lehren der Bibel festzuhalten.

Im Wahlkampf hatte sich Farron wiederholt kritischen Fragen zu seinem Glauben stellen müssen. So fragte ihn etwa eine Fernsehmoderatorin, ob er Homosexualität für eine Sünde halte. Farron antwortete mit "Nein". In der Vergangenheit war er ähnlichen Fragen ausgewichen. Der schwule innenpolitische Sprecher der Liberaldemokraten, Brian Paddick, war am Mittwoch wegen Bedenken über Farrons "Ansichten zu verschiedenen Fragen" zurückgetreten.

Bei der vorgezogenen Parlamentswahl im Juni waren die Liberaldemokraten drittstärkste Kraft geworden und sicherten sich zwölf Sitze im Parlament. Als Koalitionspartner für Premierministerin Theresa May kommen sie aber nicht infrage, weil sie den Brexit ablehnen.