Die USA vermitteln nicht mehr in dem diplomatischen Konflikt zwischen Katar und den vier arabischen Staaten Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, erklärte den Streit zu einer "Familienangelegenheit", den die Länder unter sich klären sollten. Anfang Juni hatte US-Präsident Donald Trump noch angekündigt, er werde mit allen Beteiligten sprechen und die Situation beruhigen.

Trotz mehrerer Vermittlungsversuche von US-Außenminister Rex Tillerson verschärfte sich der Konflikt zuletzt. Die vier Golfstaaten legten eine Liste mit 13 Forderungen vor. So soll Katar etwa die diplomatischen Beziehungen zum Iran abbrechen, den Fernsehsender Al Jazeera schließen und die Unterstützung islamistischer Extremisten einstellen. Das Land habe zehn Tage Zeit, die Forderungen zu erfüllen. Katar bestätigte, die Liste erhalten zu haben. Ob die US-Regierung diese Forderungen für legitim hält, wollte Spicer nicht sagen.

Katar arbeitet nach Angaben der staatlichen katarischen Nachrichtenagentur QNA derzeit daran, eine angemessene Antwort auf die Forderungen zu formulieren. Beobachter sprechen von harschen Vorgaben, die Katar voraussichtlich nicht erfüllen werde. Unter Druck gesetzt fühle sich das Land nicht, sagte der Botschafter Katars in den USA, Meschal bin Hamad al-Thani. Die von den Staaten verhängte Blockade habe praktisch keine Auswirkungen auf das Alltagsleben in seinem Land. "Katar kann ohne Probleme ewig so weitermachen."


Das liegt auch an der Türkei. Von dort erhielt Katar Lieferungen, mit denen die Blockade kompensiert werden konnte. Die Regierung in Ankara wies die Forderungsliste zurück, derzufolge auch ein türkischer Militärstützpunkt in Katar geschlossen werden soll.

Konflikt könnte katarische Herrscherfamilie bedrohen

Experten zweifeln daran, dass Katar die Krise auf Dauer ertragen kann. Der Politikprofessor Fawaz Gerges von der London School of Economics etwa sieht die Gegner Katars am längeren Hebel. "Die vier Staaten können es sich leisten, zu warten, Katar nicht", sagt er. Diese Krise könne die politische Stabilität der Herrscherfamilie in Katar langfristig bedrohen, falls sie andauert.

Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten am 5. Juni ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Sie stoppten den Luftverkehr und schlossen die Grenzen. Weitere arabisch-islamische Staaten schlossen sich der Blockade an. Sie beschuldigen Katar, Terrororganisationen wie den selbst ernannten "Islamischen Staat" (IS) zu unterstützen. Sie werfen dem Golfstaat außerdem eine zu große Nähe zum Iran vor. Der schiitische Iran und das sunnitische Königshaus von Saudi-Arabien konkurrieren um die Vorherrschaft in der Region.