In Venezuela hat nach Angaben von Präsident Nicolás Maduro ein Polizeihubschrauber einen "terroristischen Angriff" auf das Oberste Gericht des Landes verübt. Der Helikopter habe zwei Granaten über dem Gebäude des Gerichts in der venezolanischen Hauptstadt Caracas abgeworfen, sagte Maduro. Um die Ordnung wieder herzustellen, habe er die Streitkräfte mobilisiert.

Die Angreifer hätten auf Bürozimmer des Obersten Gerichts gezielt, sagte Maduro bei einer Ansprache im Staatsfernsehen. Die Luftwaffe sei im Einsatz gewesen und habe die "Terrorattacke" vereitelt. Der Präsident sagte, der Vorfall sei Teil einer Verschwörung, um seine sozialistische Regierung zu destabilisieren. Demzufolge ist der Hubschrauber entführt worden und womöglich von Dissidenten genutzt worden. Demonstranten hatten den Obersten Gerichtshof bereits vor zwei Wochen angezündet.

Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP bestätigte, er habe Schüsse gehört, als ein Hubschrauber durch das Zentrum von Caracas geflogen sei. Er könne jedoch nicht sagen, woher die Schüsse gekommen seien. Zur Verwirrung trugen Fotos in den sozialen Medien bei, die einen blauen Polizeihubschrauber mit einem Antiregierungsbanner zeigen. Zeitgleich wurde ein Video veröffentlicht, in dem ein Pilot der Polizeieinheit zur Rebellion gegen Maduros "Tyrannei" aufruft. Er liest aus einer Mitteilung, während vier Menschen in Militärkleidung und Skimasken hinter ihm stehen und Sturmgewehre tragen.

In den sozialen Medien warfen Kritiker dem Präsidenten vor, er versuche Angst zu streuen. Damit wolle er das harte Vorgehen gegen jene rechtfertigen, die seine geplante Neuschreibung der venezolanischen Verfassung blockierten.

Maduro drohte mit Waffengewalt

Kurz zuvor hatte Venezuelas höchst umstrittener Staatschef gedroht, mit Waffen gegen seine Gegner vorzugehen. "Wenn Venezuela in Chaos und Gewalt gestürzt und die Bolivarische Revolution zerstört werden soll, werden wir in den Kampf ziehen", sagte er in Caracas unter dem Jubel von Anhängern.

Mit Blick auf eine geplante Verfassungsreform betonte er: "Wenn wir es nicht mit den Stimmen schaffen, dann mit Waffen." Bei Unruhen und Protesten im Land mit den weltgrößten Ölreserven kamen seit Anfang April 77 Menschen ums Leben. Nach mehr als 80 Tagen mit Massendemonstrationen war zuletzt das Tränengas knapp geworden.

Maduro plant für den 30. Juli eine Abstimmung, um eine verfassunggebende Versammlung einzuberufen. Gegen diesen Plan gibt es jedoch massive Proteste, denn Maduros Macht würde durch die neue Verfassung gestärkt. Die Opposition fürchtet den endgültigen Übergang in eine Diktatur – und eine Ausschaltung des von der Opposition dominierten Parlaments. Maduro hingegen behauptet, die Opposition arbeite mit den USA an einem Staatsstreich.

Venezuela steckt in einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise. Im vergangenen Jahr brach die Wirtschaftsleistung um etwa 18 Prozent ein, rund 95 Prozent der Exporteinnahmen kommen aus dem Ölverkauf, der niedrige Preis verschärft die Lage. Zudem gibt es in Venezuela die höchste Inflation der Welt. Es fehlen Devisen, um ausreichend Lebensmittel und Medikamente im Ausland einzukaufen.