Die radikalislamischen Taliban sind für zwei verheerende Anschläge in Afghanistan innerhalb der vergangenen 24 Stunden verantwortlich. Wie ein Sprecher von Präsident Aschraf Ghani mitteilte, seien die Extremisten am Sonntag in eine Klinik in der zentralafghanischen Provinz Ghor eingedrungen und hätten 35 Menschen getötet. Dies sei ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit", sagte der Sprecher und bestätigte damit entsprechende Berichte, die bereits am Sonntag aus der entlegenen Region in Richtung Kabul gedrungen waren.

In Afghanistans Hauptstadt selbst gab es ebenfalls einen Anschlag, bei dem sich ein Selbstmordattentäter mit einer Autobombe in die Luft sprengte dabei mindestens 35 Menschen getötet und mehr als 42 weitere teils schwer verletzt hatte. Wie ein Sprecher des Innenministeriums mitteilte, ereignete sich die Explosion mitten im Berufsverkehr und traf einen Bus, in dem Mitarbeiter des Bergbauministeriums saßen. Drei weitere Fahrzeuge und 15 Geschäfte wurden zerstört. Mittlerweile haben sich die Taliban zum Anschlag bekannt. Auf Twitter erklärten sie, dass beim Anschlag 37 Geheimdienstmitarbeiter umgekommen sind.

Afghanistan - Mindestens 35 Tote bei Anschlag in Kabul Ein Selbstmordattentäter hat sich im Westen der afghanischen Hauptstadt in einem Auto in die Luft gesprengt. Ziel des Anschlags war ein mehrheitlich von Hasara bewohntes Viertel. © Foto: Omar Sobhani/Reuters

Der Selbstmordanschlag traf das westliche Viertel Gulai-e Dawachana, das mehrheitlich von der schiitischen Hasara-Minderheit bewohnt wird – die in der Vergangenheit immer wieder Ziel von Anschlägen war. In der Nähe des Tatorts befindet sich eine der vielen privaten Universitäten der Stadt sowie das Haus des stellvertretenden Regierungsgeschäftsführers, Hadschi Mohammed Mohakik. Dieser soll unversehrt sein. Ob dieser das eigentliche Ziel des Anschlags war, sei aber unklar, hieß es seitens der Behörden.

Bei Anschlägen sind in Afghanistan allein im ersten Halbjahr bereits fast 1.700 Menschen getötet worden. Die Hauptstadt Kabul ist von der Gewaltwelle besonders stark betroffen. Die früher regierenden radikalislamischen Taliban und die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) werden für die meisten Anschläge verantwortlich gemacht.