Für den Kommandeur des deutschen Bundeswehreinsatzes, Brigadegeneral André Bodemann, gibt es in Afghanistan viele Regionen vor allem im Norden des Landes, "wo man normal wohnen kann". Ein neuer Bericht der Vereinten Nationen (UN) widerspricht diesem Bild. Demnach leidet die Mehrheit der Afghanen unter Krieg und Extremismus. Die Folge: Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich deutlich verschlechtert, die Zahl ziviler Opfer ist im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen.

Nach Angaben der UN-Mission in Afghanistan (Unama) wurden zwischen Anfang Januar und Ende Juni bei Gefechten und Anschlägen 1.662 Zivilisten getötet und 3.581 weitere verletzt. Das waren zwei Prozent mehr Todesopfer als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Unter ihnen sind demnach 174 Frauen und 436 Kinder.

Hauptursache für den gewaltsamen Tod der Zivilisten sind Bombenanschläge und gewaltsame Auseinandersetzungen mitten in dicht bevölkerten Gebieten. Etwa 40 Prozent der von der Unama registrieren Opfer wurden auf diese Weise getötet. Für die meisten Angriffe waren demnach Extremistengruppen wie die Taliban oder die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) verantwortlich.

Besonders gefährlich war die Lage laut UN in der Hauptstadt Kabul, wo es wegen besonders vieler Anschläge die meisten Toten und Verletzten (19 Prozent aller Opfer) gab. Allein bei einem Anschlag nahe der deutschen Botschaft Ende Mai wurden mehr als 150 Menschen getötet, darunter 92 Zivilisten.

Der Leiter der Unama-Mission, Tadamichi Yamamoto, appellierte an die Taliban, von Attentaten auf Zivilisten abzusehen. Auch an die Regierungskräfte richtete sich der Appell, in bewohntem Gebiet keine schweren Waffen einzusetzen. Seit Beginn der UN-Zählung Anfang 2009 wurden laut Unama mehr als 26.500 Zivilisten in Afghanistan getötet und fast 49.000 weitere verletzt.