Zwei Tiger heben am vergangenen Mittwoch in Gao im Norden Malis ab. In der Nähe von Tabankort, rund 150 Kilometer nördlich von Gao, gibt es Unruhen, mehrere bewaffnete Gruppen haben aufeinander geschossen. Die beiden Kampfhubschrauber der Bundeswehr sollen einen Überblick zur Lage beschaffen. Es ist die erste scharfe Mission der Tiger in Mali, vier sind insgesamt im Camp Castor stationiert. Sie fliegen immer zu zweit, einer der Helikopter ist die Begleitmaschine.

Doch auf halber Strecke neigt sich einer der beiden Hubschrauber stark nach vorne. So beschreiben es die Piloten der anderen Maschine in einem Bericht des Verteidigungsministeriums. Der Pilot setzt keinen Notruf ab, die Maschine schlägt auf dem Wüstenboden auf, beide Besatzungsmitglieder sterben noch am Unfallort.

Damit sind die Ausrüstungsprobleme, mit denen die Bundeswehr seit Langem kämpft, wieder präsent. Dabei war die Mission in Gao bisher gut verlaufen. Ende Mai, kurz vor der Regenzeit bei über 40 Grad im Schatten, hatte die Truppe Routineflüge erfolgreich absolviert. "Mit dem Tiger zeigen wir Präsenz", sagte damals Oberstleutnant Andreas B., der Einsatzleiter der Heeresflieger in Mali. "Wir begleiten Konvois und signalisieren der Bevölkerung: Wir sind hier und wir passen auf."

Das hatte auch funktioniert. Major Tom B., der Technische Bereichsleiter Tiger, hatte die Tiger zum Abflug vorbereitet: mit einem kräftigen Griff den Sitz der Bordraketen überprüft, die Systeme im Cockpit kontrolliert und geschaut, ob die Rotorblätter am Heck in die richtige Richtung geneigt sind. Der bullige Mann – im zivilen Leben wäre er so etwas wie ein Werkstattleiter – gab sein O.K., die Tiger verließen das beige bespannte Hangarzelt, rollten durch eine Eisenpforte zur Startbahn, wirbelten beim Start Steinchen und Sand auf und entflogen in die malische Wüste. Alles gut.

Doch jetzt ist nichts gut. Jetzt wertet ein Expertenteam den Flugschreiber des verunglückten Hubschraubers aus. Ein UN-Mitarbeiter vor Ort sprach von technischem Versagen, das Verteidigungsministerium schließt sich dieser Erkenntnis an und einen Abschuss nach bisherigen Erkenntnissen aus. Die genauen Ursachen sind laut Bundeswehr aber noch "völlig offen". In Deutschland beginnen bereits die Spekulationen. "Eine Möglichkeit ist ein Problem mit dem Autopiloten" und "eine andere Möglichkeit ist ein Problem mit der Hydraulik", schreibt etwa die Welt

Ende Mai waren Startschwierigkeiten des Tigers "zu 95 Prozent behoben"

Zu diesem Zeitpunkt lässt sich nicht sagen, ob technisches Versagen wirklich die Absturzursache war. Die Ausstattung der Bundeswehr ist aber schon länger ein Streitthema und betrifft nicht nur die Heeresflieger. 2014 legten Inspekteure der Luftwaffe, des Heers und der Marine einen ernüchternden Bericht ab. Sie schrieben von "kreativer Mangelverwaltung". Die technischen Mängel betrafen vor allem den Tiger und den Transporthubschrauber NH90. Aber auch die Luftwaffe hatte erhebliche technische Ausfälle in der Flotte. Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) nannte den Zustand damals eine Umbruchphase und bezeichnete die Truppe als "hoch leistungsfähig". Doch wie viel hat sich geändert? Hat von der Leyen den Umbruch geschafft?

Die Startschwierigkeiten, die man mit dem Tiger in Mali gehabt habe, seien zu 95 Prozent behoben, sagte der Einsatzleiter Andreas B. noch Ende Mai. Er meinte damit die Starterlaubnis. Das Einsatzführungskommando hatte sie ursprünglich bei einer Temperatur von über 43,26 Grad entzogen. Für Schäden durch höhere Temperaturen würde Airbus keine Haftung übernehmen. Seit dem ersten Mai aber gilt für Mali eine Ausnahmeregelung. Jetzt liegt die Betriebsgrenze bei 48,26 Grad. "Bei Gefährdung von Leib und Leben dürfen wir an diese Temperaturgrenze herangehen", sagte der Einsatzleiter. Eine technische Veränderung am Tiger gab es nicht. Die vom Pressesprecher der Bundeswehr als "unzufriedenstellend" bezeichnete Einsatzlage war damit beseitigt. Einen Zusammenhang zwischen dem Absturz am vergangenen Mittwoch und einer zu hohen Außentemperatur sieht die Bundeswehr laut Spiegel Online nicht. Zum Zeitpunkt des Absturzes seien in der Region nur 36 Grad gemeldet worden.