Der Fall des inhaftierten Journalisten Deniz Yücel erregt weltweit Aufsehen. Nun könnte er vor einem internationalen Gericht landen: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat die türkische Regierung aufgefordert, eine Stellungnahme zum Fall Yücel abzugeben, berichtet die Welt. Ihr liegt nach eigenen Angaben ein entsprechendes Schreiben des Gerichts an Yücels Rechtsanwalt Veysel Ok vor.

Yücel hatte am 6. April Beschwerde vor dem EGMR gegen seine Inhaftierung eingelegt. Dabei beruft er sich vor allem auf Artikel 3 (Verbot von Folter und unwürdiger Behandlung), 5 (Recht auf Freiheit und Sicherheit) und 10 (Meinungsfreiheit) der Europäischen Menschenrechtskonvention. Die Stellungnahme der türkischen Regierung sei eine wesentliche Voraussetzung für eine Entscheidung des Gerichts, heißt es in dem Bericht. Die türkische Regierung soll eine Frist bis einschließlich 23. Oktober gesetzt bekommen haben. 

Dem Schreiben des EGMR zufolge habe der Gerichtshof auch bei der Bundesregierung angefragt, ob diese eine Stellungnahme abgeben wolle. Yücel hat auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Sobald die Stellungnahme aus Ankara vorliege, könnten die Anwälte des Welt-Korrespondenten darauf reagieren. Anschließend könne der Fall vor dem EGMR verhandelt werden.

Der deutsch-türkische Journalist ist seit Ende Februar in der Türkei in Untersuchungshaft. Ihm werden Terrorpropaganda und Volksverhetzung vorgeworfen. Präsident Recep Tayyip Erdoğan beschuldigte Yücel außerdem öffentlich, ein Terrorist und deutscher Spion zu sein.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte kann in Verfahren aus Mitgliedsstaaten des Europarates entscheiden, dem auch die Türkei angehört.