Die Deutsche Bank und sieben weitere Großbanken sind wegen Geschäften mit nordkoreanischen Tarnfirmen ins Visier von US-Staatsanwälten geraten. Eine Richterin in Washington erlaubte bereits Ende Mai, Geld aus verbotenen Transaktionen zu beschlagnahmen. Das geht aus Gerichtsunterlagen hervor, die jetzt veröffentlicht wurden.

Die Banken haben demnach seit 2009 Transaktionen im Volumen von mehr als 700 Millionen Dollar für Unternehmen abgewickelt, die in Verbindung mit dem Regime in Nordkorea stehen. Mehrere UN-Sanktionen, die den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un für sein Atomprogramm und wiederholte Raketentests bestrafen sollen, verbieten solche Geschäfte. In den Gerichtsdokumenten wird allerdings keiner der Banken vorgeworfen, wissentlich Sanktionen gegen Nordkorea verletzt zu haben.

Richterin Beryl Howell ordnete an, dass die betroffenen Banken weiterhin Überweisungen der Tarnunternehmen akzeptieren. Den Abzug von Geldern sollten sie aber verhindern und die Mittel beschlagnahmen. Neben der Deutschen Bank betrifft der Beschluss die Bank of America, die Bank of New York Mellon, Citigroup, HSBC, JPMorgan Chase, Standard Chartered und Wells Fargo.

Die Deutsche Bank lehnte eine Stellungnahme ab, ebenso wie JPMorgan und Wells Fargo. Die anderen Banken äußerten sich zunächst nicht, lehnten eine Stellungnahme aber bisher auch nicht ab.

Einige der Transaktionen wurden den Ermittlern zufolge im Auftrag von Dandong Zhicheng Metallic Material und vier verbundenen Tarnunternehmen abgewickelt, mit denen Sanktionen umgangen werden sollten. Von den Geschäften habe Nordkorea und das nordkoreanische Militär profitiert.

Am Dienstag hatte Nordkoreas Regime erstmals erfolgreich eine Interkontinentalrakete getestet, die laut Einschätzung der Vereinten Nationen Alaska und damit US-amerikanisches Festland erreichen könnte. Als Reaktion forderten die USA schärfere Sanktionen gegen Pjöngjang und drohten an, wenn nötig, auch militärisch gegen Nordkorea vorzugehen.