Donald Trump findet, Polizisten könnten bei Verhaftungen und im Umgang mit Verdächtigen viel härter zupacken. In einer Rede vor Polizisten auf Long Island in New York hat der US-Präsident die Beamten geradezu dazu aufgerufen, Gewalt auszuüben. Die Beamten im Saal klatschten und lachten, doch kurz darauf meldeten sich Polizeibehörden und protestierten gegen die Äußerungen ihres Präsidenten.

Gewalt von Polizisten, vor allem gegen Schwarze und Latinos, ist in den USA nahezu alltäglich. Verdächtige werden bei Festnahmen misshandelt oder gar erschossen, ohne dass die dafür verantwortlichen Beamten anschließend zur Rechenschaft gezogen werden. Als Folge dessen kommt es seit Jahren immer wieder zu Demonstrationen und Ausschreitungen. 2013 gründete sich als Reaktion darauf die Black-Lives-Matter-Bewegung, die gegen Rassismus und Polizeigewalt kämpft.

Für ihn sei ein viel härterer Umgang mit Festgenommenen völlig in Ordnung, sagte Trump nun. Eigentlich wollte er über kriminelle Gangs reden und den Beamten für ihre gefährliche Arbeit danken. Mittendrin aber kam er wie so oft ins Plaudern. Polizisten sollten nicht so nett sein, wenn sie Verdächtige hinten in den Polizeiwagen werfen, sagte er. Sie würden dabei zum Beispiel ja immer die Hand auf den Kopf desjenigen legen, damit er sich beim Einsteigen nicht stoße. Trump: "Ich sage, Sie können die Hand wegnehmen, ok?"

Die Beamten im Saal jubelten und stimmten "USA, USA"-Sprechchöre an. Auch nach seinem Gewaltaufruf applaudierten ihm viele und lachten. Das ist etwas weniger verwunderlich, wenn man sich den Hintergrund der Polizisten anschaut, vor denen Trump dort geredet hat.

Das Suffolk County Police Department (SCPD) ist geradezu berüchtigt für seine Übergriffe. Es steht seit Jahren unter Beobachtung des US-Justizministeriums, weil es Latinos und Einwanderer diskriminierte, bei Anzeigen und Ermittlungen ihre Rechte missachtete und weil es bei Festnahmen zu Gewalt kam. Die Polizeibehörde hat sich infolge dessen schriftlich gegenüber dem Justizministerium verpflichten müssen, die Verfassung und die Rechte von Bürgern zu beachten, respektvoll mit Menschen umzugehen und die Behörde zu reformieren.

Auch sitzt der frühere Chef dieser Polizeibehörde gerade selbst für mehrere Jahre im Gefängnis. Er hatte einen mit Handschellen gefesselten Dieb, der ihm einen Rucksack voller Sexspielzeug gestohlen hatte, geschlagen und mit dem Tod bedroht. Der Fall führte zu einer FBI-Ermittlung, die noch weitere Verstöße der Polizeibehörde zutage förderte.

Polizisten distanzierten sich anschließend

Das SCPD hat den Applaus seiner Polizisten für Trumps Gewaltaufruf schnell bereut und bemüht sich nun um Begrenzung des Schadens. In seinem offiziellen Twitterkanal versicherte das SCPD, dass man keine Gewalt gegen Verhaftete dulden werde. Man habe strenge Regeln, wie mit Festgenommenen umgegangen werde und werde Verletzungen dieser Regeln hart bestrafen.

Auch die International Association of Chiefs of Police, eine Vereinigung amerikanischer Polizeichefs, veröffentlichte inzwischen eine Erklärung zu dem Auftritt des Präsidenten. Die Erklärung ist vorsichtig formuliert und erwähnt Trump nicht direkt. Im Kern aber kann sie als Kritik an dessen Rede und als Verteidigung der Beamten verstanden werden. Polizisten seien dafür ausgebildet worden, "alle Menschen, egal ob sie Kläger sind, Verdächtige oder Beschuldigte, mit Würde und Respekt zu behandeln", heißt es dort. Das sei ein "felsenfestes Prinzip".

Für Trump ist es das nicht. Schon während seines Wahlkampfes hatte er mehr Gewalt durch Polizisten befürwortet. So war es bei einer Wahlkampfveranstaltung 2016 in St. Louis zu Rangeleien im Publikum gekommen. Trump rief den Polizisten im Saal daraufhin zu, Protestierer rauszuschaffen und beschwerte sich anschließend, dass so etwas leider nicht schnell genug gehe, da heutzutage niemand mehr einem anderen wehtun wolle.