Jerusalem - Israel entfernt Metalldetektoren am Tempelberg Israel hat mit der Entfernung der umstrittenen Metalldetektoren am Zugang zum Tempelberg in Jerusalem begonnen. Die Sicherheitsschleusen sollen durch andere Systeme ersetzt werden, die als weniger störend empfunden würden, teilte die Regierung mit. © Foto: Mahmoud Illean/AP/dpa

Die Umsetzung des Plans begann schon in der Nacht zu Dienstag. Da wurden bereits die ersten Metalldetektoren an den Zugängen zum Tempelberg in Jerusalems Altstadt abgebaut, wie israelische Medien berichteten. Das hatte am späten Dienstagabend das israelische Sicherheitskabinett entschieden. Die Metalldetektoren, die Krawalle und blutige Angriffe ausgelöst hatten, sollten durch "ausgefeilte Technologien" zur Sicherheitskontrolle ersetzt werden.

Man habe damit die Empfehlungen aus Sicherheitskreisen akzeptiert, hieß es aus dem Büro des Premierministers. Bis zur Umsetzung des Plans werde die Polizei ihre Einheiten in der Altstadt verstärken. Details darüber, wie diese neuen Technologien aussehen werden, wurden nicht genannt. Zuvor berichteten israelische Medien jedoch, dass über spezielle Überwachungskameras diskutiert worden sei, die erkennen können, ob jemand eine Waffe bei sich trägt.

Die Metalldetektoren haben vor allem am Freitag und Samstag in Ostjerusalem und Teilen des Westjordanlandes zu Zusammenstößen zwischen muslimischen Protestierenden und israelischen Sicherheitskräften geführt, fünf Palästinenser starben. Blutiger Höhepunkt war der Mord an drei jüdischen Siedlern im Westjordanland. Am Montag dann wurde ein 32-jähriger Israeli in einem Vorort von Tel Aviv bei einer Messerattacke verletzt. Der vermeintliche Täter, ein 21-jähriger Palästinenser, soll laut Medienberichten der Polizei vor Ort gesagt haben, er habe es für Al-Aksa getan.

So heikel war die Situation, dass selbst Unterstützung aus dem Ausland kam. Um den Konflikt zu lösen, flog am Montagabend der US-Sondergesandte Jason Greenblatt in die Region. Schweden, Frankreich und Ägypten beantragten außerdem eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats.

Wie konnte es so weit kommen?

Alles begann am Sonntag vor einer Woche. Da stellte Israel vor den Zugängen zum Tempelberg jene Metalldetektoren auf, wie man sie von Flughäfen oder öffentlichen Einrichtungen kennt. Auf den ersten Blick schien es keine außergewöhnliche Maßnahme – schließlich waren am Freitag zuvor bei einem Anschlag auf dem Tempelberg zwei israelische Polizisten erschossen worden, die drei Angreifer wurden von Sicherheitsleuten getötet. Die Entscheidung für die Detektoren fiel ohne große Diskussionen in einer Telefonkonferenz zwischen Armee, Inlandsgeheimdienst, Polizei, zwei Ministern und Premierminister Netanjahu, berichtete die Tageszeitung Haaretz.

Der Tempelberg in Jerusalem

Doch wer die Region kennt, weiß, dass die Reaktionen der Muslime zu erwarten waren, wenn auch nicht unbedingt in der Härte, in der sie sich zeigten. Selbst der Inlandsgeheimdienst Shin Bet und die israelische Armee warnten vergangene Woche vor einer Eskalation, sollten die Detektoren unverändert stehen bleiben. Denn jede noch so winzige Veränderung am Tempelberg, diesem religiös höchst umstrittenen Ort, kann die Massen auf die Straßen treiben. Der Berg, auf dem heute die Al-Aksa-Moschee steht, ist der drittheiligste Ort der Muslime. Sie sehen in den Metalldetektoren eine Verletzung des fragilen Status quo. Demnach verwaltet die islamische Waqf den Tempelberg, Israel kümmert sich um die Sicherheit.

Der Status quo besagt auch: Nur Muslime dürfen hier beten. Einst standen hier aber die jüdischen Tempel, der zweite wurde 70 nach Christus von den Römern zerstört. Der Berg ist also auch Juden heilig. Unter den Religiösen gibt es manche, die den Tempelberg gerne wieder jüdisch machen, gar einen dritten Tempel hier errichten wollen. Und einige versuchen eben doch, auf dem Tempelberg zu beten, so beispielsweise auch Agrarminister Uri Ariel im Jahr 2012.

Das führte immer wieder zu Krawallen auf dem und um den Tempelberg. Auf muslimischer Seite bildeten sich Kampagnen, die Al-Aksa-Moschee sei in Gefahr, man müsse sie verteidigen. Für viele Muslime waren die Metalldetektoren ein weiterer Schritt Israels hin zur Eroberung des Heiligtums. "Sie schränken die Bewegungsfreiheit der Betenden ein", wetterte der Direktor der Waqf, Scheich Azzam al-Khatib. Der Imam und Prediger der Al-Aksa-Moschee, Scheich Yusef Abu Sneineh, forderte die Gläubigen auf, die Detektoren zu boykottieren. "Al-Aksa gehört den Muslimen. Wir sind gegen diese elektronischen Dinger, wir werden sie nicht passieren, wir werden draußen bleiben."