Japans Premierminister Shinzo Abe kämpft um seine politische Zukunft. Lange regierte er als Partei- und Regierungschef weitgehend unangefochten. Doch seit einigen Monaten muss er sich gegen Vorwürfe in den Medien verteidigen, er habe seinen Einfluss als Premier genutzt, um Freunden Gefallen zu tun. Nun verlangen Parlament und Partei Aufklärung.

Konkret geht es um zwei Vorteile, die Abe gewährt haben soll: Er und seine Frau werden beschuldigt, einer ultranationalistischen Schule Geld gespendet zu haben. Pikanter ist der zweite Fall: Abe soll sich dafür eingesetzt haben, dass ein Vertrauter eine Tierarztschule im Westen Japans eröffnen konnte.

In einer Befragung im Parlament bestritt Abe, persönlich involviert gewesen zu sein – gestand allerdings zu, dass er einen schlechten öffentlichen Eindruck erweckt hat. Der Premier will erst von den Plänen seines Freundes erfahren haben, nachdem dieser im Januar einen offiziellen Antrag gestellt hatte.

Die Opposition schenkt den Aussagen wenig Glaube: Sie beschuldigt Abe der Falschaussage. Abe sollte diese Woche von den Abgeordneten befragt werden. Und auch die japanische Bevölkerung zweifelt an ihrem Regierungschef. Abes Umfragewerte sind historisch schlecht.

Seine liberaldemokratische Partei hatte extra ihre Satzung geändert, damit Abe eine dritte Amtszeit als Parteichef antreten konnte. Doch inzwischen gehen selbst Parteifreunde auf Distanz. Ob all das zu einem Rücktritt des Premiers führt, ist allerdings ungewiss. Als wahrscheinlich gilt folgendes Szenario: Abe bleibt vorerst im Amt. Im Lauf der nächsten Wochen wird er sein Kabinett umbauen, um auf die gesunkenen Umfragewerte zu reagieren. Bevor im Herbst 2018 die Wahl ansteht und seine Amtszeit als Parteichef ausläuft, dürfte Abe rechtzeitig versuchen, einen Nachfolger aufzubauen.