In Jerusalem hat es erneut Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei gegeben. In der Nacht zu Mittwoch wurden dabei rund 50 Menschen verletzt, am Morgen noch einmal mindestens 16. Palästinensische Demonstranten sollen die Polizisten mit Steinen und Brandflaschen beworfen haben. Auslöser der Gewalt ist eine Verschärfung der Zugangskontrollen für muslimische Gläubige auf dem Tempelberg.

Die Altstadt von Jerusalem

Am vergangenen Freitag hatten drei Palästinenser auf dem Tempelberg israelische Polizisten mit Schusswaffen und einem Messer attackiert, zwei Polizisten und die Angreifer waren getötet worden. Daraufhin sperrte die israelische Regierung den Zugang zum Tempelberg bis zum Sonntag. Eine Teilnahme am Freitagsgebet im Felsendom und der Al-Aksa-Mosche auf dem Tempelberg war muslimischen Gläubigen somit nicht möglich – zum ersten Mal seit 1969. 

Am Sonntag wurden die Zugänge für Muslime wieder geöffnet, allerdings mit einer Neuerung: Sie dürfen den Berg nur über Sicherheitsschleusen mit Metalldetektoren betreten. Für Touristen und Nicht-Muslime gelten diese Kontrollen bereits.

Allerdings sieht der Großmufti von Jerusalem und Palästina, verantwortlich für religiöse Rechtsfragen, ein Problem darin, weil die Einführung der Kontrollen den historischen Status quo verändert habe. Mohammed Ahmed Hussein forderte die muslimischen Gläubigen deshalb auf, nicht durch die Schleusen zu gehen und notfalls außerhalb der Kontrollpunkte zu beten.

Ein Berater für Religionsfragen des Palästinenserpräsidenten Mahmoud Abbas bezeichnete die israelischen Maßnahmen ebenfalls als eklatante Verletzung der internationalen Absprachen in Bezug auf die Heiligen Stätten Jerusalems. Für den Mittwoch rief die palästinensische Fatah-Partei von Abbas einen "Tag des Zorns" aus. Auch die radikalislamische Hamas forderte die Gläubigen zu Protesten und Widerstand auf.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte allerdings jede Änderung der Besuchsrechte abgelehnt. Eingriffe in die bestehende Ordnung könnten unvorhersehbare Folgen haben und die Sicherheitslage gefährden.

Nur Muslime dürfen auf Tempelberg beten

Die Verwaltung des Tempelbergs obliegt seit 1967 der jordanischen Behörde Wakf. Mitarbeitern der Wakf war am Sonntag der Zutritt zum Tempelberg ohne weitere Kontrolle erlaubt worden, nachdem sie sich geweigert hatten, die Sicherheitsschleusen zu passieren. Der jordanische Außenminister Ayman al-Safadi verlangte Berichten der Nachrichtenagentur Petra zufolge am Montag nach Respekt des rechtlichen und historischen Status Quo an der Heiligen Stätte. Niemand dürfe die Sicherheit und Stabilität untergraben und damit die Tür zu weiterer Gewalt öffnen.

Um die Nutzungsrechte des Tempelbergs gibt es immer wieder Streit. Der Tempelberg ist für Juden und Muslime eine wichtige heilige Stätte. Auf dem Bergplateau, das Muslime als "Haram Al Sharif", das Edle Heiligtum, bezeichnen, befinden sich der Felsendom und die Al-Aksa-Moschee. Der Tempelberg ist aber auch der Ort der zwei jüdischen Tempel, die eine zentrale Stellung im jüdischen Glauben einnehmen. Nur Muslimen ist es gestattet, auf dem Tempelberg zu beten, Nicht-Muslime dürfen den Berg zwar besuchen, allerdings nicht zum Gebet.

Ultra-Orthodoxe Juden sprechen sich aus zwei Gründen gegen das Betreten des Bergs aus: Zum einen nennt die Thora dafür strenge Reinigungsvorschriften, die heute eigentlich nicht mehr eingehalten werden können, zum anderen ist die genaue Position des ersten jüdischen Tempels nicht eindeutig gesichert. Wer das Allerheiligste betrete, dem drohen nach streng-jüdischem Recht schwere Strafen.