Der venezolanische Oppositionspolitiker Leopoldo López ist wegen seines schlechten Gesundheitszustands frühzeitig aus der Haft entlassen worden. Er steht laut Oberstem Gericht nun unter Hausarrest. Es handele sich dabei um eine humanitäre Maßnahme, sagte der Präsident des Gerichts, Maikel Moreno. Es habe außerdem "ernsthafte Anzeichen von Unregelmäßigkeiten" in seinem Fall gegeben. Um welche Unregelmäßigkeiten es sich handele, teilte das Gericht nicht mit.  

López hatte mehr als drei Jahre in einem Militärgefängnis eingesessen, weil er Demonstranten zur Gewalt angestiftet haben soll. Er war 2014 nach Antiregierungsprotesten festgenommen und zu fast 14 Jahren Haft verurteilt worden. Bei den Unruhen waren damals 43 Menschen getötet und zahlreiche verletzt worden.  

Nach Angaben von López' Frau, Lilian Tintori, wurde ihr Mann in der Haft gefoltert. Im Mai hatte Tintori berichtet, López sei in Isolationshaft verlegt worden, um ihn von Nachrichten über die jüngsten Proteste abzuschneiden. López ist der Gründer der eher sozialdemokratischen Partei Voluntad Popular und vertritt die bürgerliche Mittelschicht. Für die venezolanische Opposition ist er ein Symbol des Widerstands gegen den Unrechtsstaat. Zahlreiche Regierungen und internationale Organisationen sehen López als politischen Gefangenen an.

Die Entscheidung, López in den Hausarrest zu entlassen, war in Venezuela und im Ausland begrüßt worden. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy twitterte: "Ich bin glücklich, dass Leopoldo López zu seiner Frau und seinen Kindern heimkehren konnte. Ich freue mich auch für seine Eltern". Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten, Luis Almagro, forderte: "Der Hausarrest für Leopoldo López ist nur der erste Schritt. Wir fordern die Freilassung aller politischen Gefangenen." Auch der argentinische Präsident Mauricio Macri schrieb auf Twitter, er hoffe, dass alle anderen politischen Gefangenen aus der Haft entlassen werden. Laut der venezolanischen Opposition befinden sich derzeit mehr als 300 Menschen aus politischen Gründen in Haft.

Seit etwa drei Monaten gehen Regierungsgegner nahezu täglich auf die Straße. Sie fordern eine Amtsenthebung von Präsident Nicolás Maduro, den sie für die schwere Wirtschaftskrise und die Versorgungsengpässe im Land verantwortlich machen. Bei den Demonstrationen gibt es immer wieder Zusammenstöße mit der Polizei. Seit April wurden mindestens 91 Menschen getötet.

Bei den Protesten hatten Regierungsgegner immer wieder die Freilassung von López gefordert. "Ich bewundere die Hunderttausenden Venezolaner, die auf die Straße gehen, um Demokratie und Freiheit für unser Vaterland zu fordern", sagte López in einer im Gefängnis aufgenommenen Videobotschaft.