Die maledivische Armee hat oppositionelle Parlamentarier am zweiten Tag in Folge daran gehindert, das Parlament zu betreten. Die Maßnahme sei nötig, um die Sicherheit von ausländischen Staatsgästen zu garantieren, teilte die Regierung der Malediven mit. Diese werden am Mittwoch an den Feierlichkeiten zum 52. Jahrestag der Unabhängigkeit von Großbritannien teilnehmen.  

Die Opposition wirft Staatschef Abdulla Yameen hingegen autoritäres Verhalten vor. Nach Angaben des deutschen Auswärtigen Amtes will die Regierung verhindern, dass über eine Amtsenthebung des Parlamentsvorsitzenden abgestimmt wird. Die Abstimmung sei von der Opposition beantragt worden.

Die maledivische Regierung schrieb in einer Erklärung, dass keine Abstimmung geplant gewesen sei. Das Militär habe das Parlament nicht übernommen, alle Abgeordneten seien über die Sperrung informiert gewesen. 

Das Auswärtige Amt empfiehlt Reisenden, die Hauptstadt Malé zu meiden. In der Gegend um das Parlament komme es zu Ausschreitungen. Auch die britische Regierung rief Touristen zu erhöhter Wachsamkeit auf der Hauptinsel Malé auf. Niels Annen, außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, sprach von einem "repressiven Kurs". Die internationale Gemeinschaft solle Druck auf Staatschef Yameen aufbauen, um die Demokratie zu sichern, zum Beispiel über den Tourismus. 

Präsident Yameen regiert die mehrheitlich islamischen Malediven seit drei Jahren. Im September 2015 war auf seinem Schiff eine Bombe explodiert. Yameen rief damals den Notstand aus und schränkte die Rechte der Bürger stark ein. Zahlreiche politische Gegner wurden in zweifelhaften Verfahren verurteilt, andere verließen das Land. Im April war ein regierungskritischer Blogger erstochen worden. Im kommenden Jahr findet auf den Malediven die Präsidentschaftswahl statt.