Die italienische Regierung hat von den EU-Ländern mehr Unterstützung bei der Aufnahme von Geflüchteten gefordert. Schiffe, die Menschen aus dem Mittelmeer retten, sollten künftig auch Häfen in anderen EU-Staaten ansteuern, verlangte der italienische Innenminister Marco Minniti. "Sie fahren unter der Flagge verschiedener europäischer Länder", sagte Minniti im Gespräch mit der Zeitung Il Messaggero. "Wenn die einzigen Häfen, in die Flüchtlinge gebracht werden, italienische Häfen sind, stimmt etwas nicht."

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass seit Jahresbeginn mehr als 83.000 Bootsflüchtlinge in Italien eingetroffen sind. Das seien rund 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitaum. Die italienische Regierung sieht sich nach eigenen Angaben nicht mehr in der Lage, die Situation zu bewältigen. Minniti traf sich deshalb mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), seinem französischen Amtskollegen Gérard Collomb und EU-Flüchtlingskommissar Dimitris Avramopoulous in Paris. Ziel des Treffens sei "ein koordinierter und abgestimmter Ansatz bei den Einwandererströmen im zentralen Mittelmeer", hieß es aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen. Es solle geklärt werden, "wie man den Italienern besser helfen kann". Am Donnerstag will sich ein informelles EU-Innenministertreffen in Estlands Hauptstadt Tallinn mit dem Thema beschäftigen.

Laut Berichten italienischer Medien könnte die italienische Regierung auf einen europäischen Verhaltenskodex für private Schiffe mit Flüchtlingen und Migranten an Bord dringen. Auch die UN fordern Unterstützung für Italien. "Was sich vor unseren Augen in Italien abspielt, ist eine Tragödie", sagte UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi. Seit Jahresbeginn seien schon 2.300 Menschen auf dem Weg über das Mittelmeer gestorben. Die Rettung und Unterbringung der Flüchtlinge sei nicht nur ein Problem Italiens. 

Die italienische Regierung hatte der EU zuvor damit gedroht, ausländischen Schiffen mit geretteten Flüchtlingen künftig die Einfahrt in ihre Häfen zu verbieten. Laut der Organisation SOS Méditerranée, die Geflüchteten im Mittelmeer zu Hilfe kommt, sei das Ansteuern anderer europäischer Häfen schwierig. Schiffe mit Geretteten an Bord müssten wenigstens in italienischen Häfen versorgt werden können. An den Rettungseinsätzen im Mittelmeer sind neben der italienischen Küstenwache auch Schiffe der EU-Mission Sophia, der EU-Grenzschutzagentur Frontex und von Hilfsorganisationen beteiligt. Kritiker werfen den im Mittelmeer aktiven Hilfsorganisationen vor, mit ihren Rettungseinsätzen Schleuseraktivitäten zu begünstigen.