Der frühere Ölminister Shahid Khaqan Abbasi soll übergangsweise Ministerpräsident in Pakistan werden. Das teilte der wegen Korruptionsvorwürfen abgesetzte Ministerpräsident Nawaz Sharif mit. Abgeordnete von Sharifs Partei, der Pakistanischen Muslimliga, stimmten Abbasis Kandidatur zu. Es wird erwartet, dass das Parlament nächste Woche Abbasi wählen wird, da die Regierungspartei über eine große Mehrheit verfügt.

Nawaz Sharif sagte aber auch, er wolle langfristig dafür sorgen, dass sein Bruder Shabaz das Amt übernehme. Shahbaz Sharif ist bisher Premier der Region Punjab. Er hat noch keinen Sitz im nationalen Parlament und müsste erst für einen Parteifreund nachrücken, um sich zur Wahl als Ministerpräsident stellen zu können. Es werde deshalb "einige Zeit" brauchen, bis sein Bruder Regierungschef werden könne, sagte Sharif in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache.

Der oberste Gerichtshof Pakistans hatte Sharif wegen Korruptionsvorwürfen am Freitag abgesetzt. Durch die Veröffentlichung der sogenannten Panama Papers war bekannt geworden, dass seine Söhne mehrere Offshorefirmen besaßen. Die Richter urteilten nun, der Ministerpräsident habe sich nach zahlreichen Korruptionsvorwürfen "als Parlamentsmitglied disqualifiziert und übt damit das Amt des Regierungschefs nicht mehr aus". Sie riefen die Antikorruptionsbehörde auf, die Ermittlungen gegen Sharif fortzusetzen.

Bei den Panama Papers handelt es sich um Details über rund 200.000 Briefkastenfirmen der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca. Mehrere Zeitungen weltweit hatten sie veröffentlicht. Dadurch kam heraus, dass Politiker, Prominente und Sportler ihr Vermögen in Offshorefirmen versteckt haben könnten. Die Veröffentlichung über die Steuertricks führte zu weltweiten Ermittlungen und einer Debatte über Steueroasen und Geldwäsche.