Jerusalem - Palästina setzt diplomatische Beziehungen zu Israel aus Die palästinensische Regierung protestiert gegen verstärkte Zugangskontrollen zum Jerusalemer Tempelberg. Israel hatte mit Sicherheitsvorkehrungen auf zunehmende Gewalt reagiert. © Foto: Lior Mizrahi/Getty Images

In aufflammenden  Streit um die heiligen muslimischen Stätten in Jerusalem sind sechs Menschen getötet worden. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verkündete, die Kontakte mit Israel "auf allen Ebenen" einzufrieren. Zunächst war nicht klar, ob die Palästinenser ihre seit Langem bestehende Sicherheitszusammenarbeit mit Israel stoppen.

Drei Palästinenser wurden erschossen, als sie zusammen mit Hunderten anderen wegen der Aufstellung von Metalldetektoren protestierten und es dabei zu Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften kam. Später am Tag tötete ein Palästinenser bei einer Messerattacke im
Westjordanland drei jüdische Familienmitglieder. 

Der Konflikt entzündete sich daran, dass Israel an dem Einsatz von Metalldetektoren am Eingang zu den heiligen Stätten festhielt – ungeachtet palästinensischer Proteste und Drucks aus dem Ausland. Die Detektoren wurden am Sonntag installiert, nachdem vor einer Woche in unmittelbarer Nähe des Tempelbergs zwei Polizisten erschossen worden waren und Sicherheitskräfte die drei Angreifer getötet hatten. Israel betont, dass die Anlagen das Einschmuggeln von Waffen verhindern sollen.

Israel hatte am Freitag aus Furcht vor neuer Gewalt nur Männern über 50 Jahren und Frauen den Zutritt zu der Stätte erlaubt, die Muslimen und Juden heilig ist. Tausende israelische Polizisten waren im Einsatz und Bataillone der Armee in Alarmbereitschaft versetzt worden. Palästinensische Vertreter hatten Muslime dazu aufgerufen, in Massen zum Freitagsgebet auf dem Tempelberg zu kommen. In den vergangenen Tagen war es dort immer wieder zu Zusammenstößen gekommen.

Der israelische Rettungsdienst teilte am Freitagabend mit, ein Palästinenser habe sich in ein Haus geschlichen und vier Personen mit einem Messer angegriffen und drei von ihenn getötet. Nach israelischen Militärangaben ereignete sich der Vorfall in Halamisch, nordwestlich von Ramallah. Israelische Medien berichteten, der palästinensische Angreifer sei angeschossen und verletzt worden.  

Der Tempelberg in Jerusalems Altstadt war immer wieder Brennpunkt religiöser Spannungen. Muslime verehren ihn als "Haram al-Scharif" (Edles Heiligtum). Der Überlieferung nach standen dort früher die jüdischen Tempel, heute beten an der Stelle Muslime in der Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom mit seiner vergoldeten Kuppel. Der Streit um die Besuchsrechte, also darum, wer das Plateau betreten und dort beten darf, gilt als Auslöser einer Welle palästinensischer Anschläge, die vor knapp zwei Jahren begann.