Der oberste Gerichtshof in Pakistan hat Regierungschef Nawaz Sharif abgesetzt. Der Ministerpräsident habe sich nach zahlreichen Korruptionsvorwürfen "als Parlamentsmitglied disqualifiziert und übt damit das Amt des Regierungschef nicht mehr aus", urteilten die Richter in Islamabad und riefen die Antikorruptionsbehörde auf, die Ermittlungen gegen Sharif fortzusetzen.

Sharif will zunächst keinen Widerstand gegen die Entscheidung leisten. In einer am Freitag verschickten Stellungnahme seines Büros heißt es, der Ministerpräsident sei sofort nach der Entscheidung der fünf Richter zurückgetreten. Er habe aber "starke Vorbehalte" gegen das Urteil und werde alle "Möglichkeiten der Konstitution und des Rechts nutzen".

Grundlage des Richterspruchs sind Vorwürfe und mehrere Gerichtsverfahren gegen Sharif und Mitglieder seiner Familie im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Korruption. In einem ersten Verfahren vor dem obersten Gericht im Frühjahr waren sich die fünf Richter des Verfahrens allerdings nicht einig über die Bewertung der angeblichen Verfehlungen. Zwei Richter hatten für seine Entlassung gestimmt, drei dagegen.

Die Richter hatten dann eine Ermittlungskommission ernannt, die Anfang Juli einen Hunderte Seiten langen Bericht vorgelegt hat. Darin kommen die Kontrolleure zu dem Schluss, dass es "krasse Lücken" in den Nachweisen zum Vermögen der Sharif-Familie gibt. So gebe es ein "bedeutendes Missverhältnis" zwischen dem angegebenen Vermögen und bekannten Einkommensquellen von Sharif und seiner Familie. Die Kommission empfahl, gegen die Beschuldigten im Rahmen eines Antikorruptionsgesetzes aus dem Jahr 1999 juristisch vorzugehen. 

Auslöser für die Affäre um Sharif waren die Enthüllungen der sogenannten Panama Papers. Darin hatten mehrere Zeitungen weltweit Details über rund 200.000 Briefkastenfirmen der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca veröffentlicht, in denen Politiker, Prominente und Sportler ihr Vermögen versteckt haben sollen. Die Veröffentlichung über die Steuertricks führte zu weltweiten Ermittlungen und einer Debatte über Steueroasen und Geldwäsche.

In Pakistan kann ein Ministerpräsident des Amtes enthoben werden, wenn sich herausstellt, dass er Vermögen verborgen hat. Sharif hatte die Vorwürfe gegen ihn stets zurückgewiesen und dementiert, dass er sein Amt zur Bereicherung missbraucht habe. Er führt sein Vermögen unter anderem auf seinen Vater zurück.