Nach der Freilassung des Putin-Kritikers Alexej Nawalny hat die russische Polizei zahlreiche seiner Anhänger festgenommen. Allein in der Hauptstadt Moskau nahm sie 35 Menschen in Gewahrsam, als diese Wahlwerbung für Nawalny verteilten, teilte die Organisation Ovd-Info mit. Nikolai Ljaskin aus dem Wahlkampfstab des 41-jährigen Nawalny sprach von mehr als 50 Festnahmen. Zudem soll es nach Angaben von Ovd-Info auch in mehreren Provinzstädten Festnahmen gegeben haben.

Nawalny war am Freitag nach 25 Tagen aus der Haft entlassen worden. Der Putin-Gegner will bei der Präsidentschaftswahl im März 2018 gegen den Staatschef antreten. Seine Anhänger verteilten die Wahlwerbung in mehreren russischen Städten an Metro-Ausgängen und auf Straßen. Erkennbar waren sie durch rote Ballons, auf denen "Nawalny 2018" stand.

Nawalny war zu einer Haftstrafe verurteilt worden, weil er zu landesweiten Protesten gegen Korruption aufgerufen hatte. Bei den Protesten wurden mehr als 1.700 Menschen festgenommen. Viele kamen später ohne Anklage wieder frei.

Ob Nawalny sich wirklich zur Wahl stellen kann, ist noch unklar. Die Wahlkommission erklärte im Juni, der Kreml-Kritiker könne aufgrund einer Verurteilung zu einer fünfjährigen Bewährungsstrafe wegen Veruntreuung nicht kandidieren. Nawalnys Wahlkampfteam teilte hingegen unter Berufung auf die Verfassung mit, er sei zu der Kandidatur berechtigt.

Präsident Wladimir Putin, der das Wochenende auf dem G20-Gipfel in Hamburg verbrachte, wurde dort auch auf Nawalny angesprochen. Der russische Präsident wurde gefragt, was er von Nawalny halte und warum er dessen Namen nicht einmal in den Mund nehme.

Putin antwortete, Präsident und Regierung könnten nur mit Menschen reden, die konstruktive Vorschläge machten. "Wenn es nur darum geht, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, dann ist das für einen Dialog uninteressant." Der Kreml-Chef vermied es dabei erneut, den Namen Nawalnys auch nur zu nennen.