Bei einer Solidaritätskundgebung für zwei inhaftierte Akademiker sind in der türkischen Hauptstadt Ankara einem Medienbericht zufolge 61 Menschen festgenommen worden. Wie der private Fernsehsender CNN Türk berichtete, setzte die Polizei Wasserwerfer und Pfefferspray ein. Der Protest richtete sich demnach gegen die Inhaftierung der Literatur-Dozentin Nuriye Gülmen und des Grundschullehrers Semih Özakçavor zwei Monaten.

Die beiden waren in den Hungerstreik getreten, um gegen ihre Entlassung und die Entlassung oder Suspendierung von mehr als 100.000 weiteren Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes, der Justiz, der Polizei und des Militärs in der Türkei zu protestieren. Ein Gericht hatte die Haft für Gülmen und Özakça damit begründet, dass hinter ihrem Hungerstreik eine verbotene linksextreme Gruppe gestanden habe.

Mit den Massenentlassungen reagiert die türkische Regierung auf den gescheiterten Militärputsch vor einem Jahr. Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan wirft dem im US-Exil lebenden Prediger Fethullah Gülen vor, Drahtzieher des Putschversuches zu sein. Gülen bestreitet das.

Wegen mutmaßlicher Kontakte zur Gülen-Bewegung wurden in den vergangenen zwölf Monaten in der Türkei rund 50.000 Menschen festgenommen. Auch Deutsche waren darunter, etwa der Welt-Korrespondent Deniz Yücel und der Menschenrechtler Peter Steudtner. Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sind dadurch enorm gespannt.

Nach Steudtners Festnahme hatte die Bundesregierung zuletzt ihre Reisehinweise für die Türkei verschärft und eine Neuausrichtung ihrer Türkei-Politik angekündigt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier warf der türkischen Regierung am Wochenende in einem Fernsehinterview vor, "die Reste an Kritik und Opposition mundtot" zu machen.