Kurz vor der Wahl zur Verfassungsgebenden Versammlung in Venezuela hat die kolumbianische Regierung versprochen, 150.000 bis 200.000 Flüchtlingen aus dem Nachbarland einen Sonderaufenthaltsstatus zu gewähren. Wie der Direktor der Migrationsbehörde, Christian Krüger, dem Radiosender RCN sagte, dürfen die Venezolaner damit bis zu zwei Jahre bleiben.

Die Voraussetzung dafür ist, dass sie einen Grenzübergang mit einem Pass regulär passiert haben und keine strafrechtlichen Dinge gegen sie vorliegen. Der Sonderstatus greift, wenn die regulären 90 Tage Aufenthaltsrecht, die automatisch bei Grenzübertritt gewährt werden, abgelaufen sind.

Seit Ausbruch der politischen und wirtschaftlichen Krise in dem Land mit den größten Ölreserven der Welt sind Hunderttausende Venezolaner geflohen – vor dem Mangel, den Unruhen oder politischer Verfolgung. Jeden Tag passieren im Schnitt 25.000 Menschen die Grenzbrücke Simón Bolívar, die das Land mit Cucúta in Kolumbien verbindet. Viele kaufen nur auf der anderen Seite Lebensmittel ein, kehren dann aber zurück in das sozialistische Land.

Venezuela - Flucht vor der Krise Wirtschaftskrise, Demonstrationen und Gewalt – immer mehr Venezolaner fliehen vor den Zuständen in ihrer Heimat nach Kolumbien. Dort stellen sich die Behörden auf einen Exodus ein. © Foto: Luis Acosta/Getty Images

Neben der Versorgungskrise in Venezuela hat sich der Machtkampf zwischen der Regierung von Präsident Nicolás Maduro und der Opposition seit April zugespitzt. Bei den Protesten wurden bisher 112 Menschen getötet, es fehlt überall an Lebensmitteln und Essen. Schon jetzt leben etwa 343.000 Venezolaner in Kolumbien – davon etwa 200.000 legal mit Visa oder einer dauerhaften Aufenthaltserlaubnis, bis zu 140.000 illegal. Letztere könnten jetzt teilweise von den Sonder-Visa profitieren.

Berichte über einen "massiven Exodus" wegen der am Sonntag stattfindenden Wahl einer Verfassungsgebenden Versammlung wollte Behördenchef Krüger zunächst nicht bestätigen. Die Opposition boykottiert die Wahl, bei der überwiegend Sozialisten aufgestellt wurden; sie wirft Maduro vor, dass er mit der Reform eine Diktatur errichten will. Rund um die Wahl wird eine Eskalation der Gewalt befürchtet. Die US-Regierung forderte deshalb bereits ihre Diplomatenfamilien auf, Caracas zu verlassen.