Die Regierung Kolumbiens hat angekündigt, sie werde das Ergebnis der Wahl einer Verfassungsgebenden Versammlung im Nachbarland Venezuela nicht anerkennen. Diese Verfassungsgebende Versammlung sei rechtswidrigen Ursprungs, sagte der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos.

Am Sonntag soll eine verfassungsgebende Versammlung gewählt werden, um anschließend eine Verfassungsreform zu verabschieden. Kritiker bemängeln, dass die Delegierten der Versammlung vor allem Präsident Nicolás Maduro nahe stehen. Sie fürchten, dass er auf diesem Weg das Parlament entmachten will.

Seit Wochen kommt es in Venezuela immer wieder zu Protesten gegen den Plan der dortigen Regierung, die Verfassung zu ändern. Derzeit scheint die Lage zwar etwas friedlicher zu sein, aber bislang sind mehr als 100 Menschen während der Proteste getötet worden.

Maduro regiert seit 2013 und setzt den sozialistischen Kurs seines Vorgängers Hugo Chávez fort. Die Opposition protestiert seit Beginn seiner Amtszeit gegen den Präsidenten. Doch diese Auseinandersetzungen sind sehr viel härter geworden, nachdem Maduro angekündigt hatte, die Verfassung ändern zu wollen.

Am Freitag blieb es weitgehend ruhig

Bis kommenden Dienstag gilt in dem Land ein Demonstrationsverbot, das Maduro erlassen hatte. Trotzdem hatte die Opposition für Freitag zu Massenprotesten aufgerufen. Die Straßen blieben jedoch zum großen Teil leer. "Wir sind hier in den Straßen, wie am ersten Tag", sagte der Oppositionsabgeordnete José Manuel Olivares und rief die Menschen dazu auf, das Demonstrationsverbot zu ignorieren. "Lasst uns nicht Opfer der Angst sein." Vereinzelt kam es zu Zusammenstößen zwischen Truppen der Nationalgarde und kleinen Gruppen Jugendlicher, die sich selbst "Der Widerstand" nennen. Doch im Vergleich zu den vorherigen Tagen und Wochen blieb es ruhig.

Bei den Auseinandersetzungen auf der Straße geht es nicht nur um die Verfassung. Seit 2016 ist das Land in einer schweren Krise, viele Menschen fliehen vor den Versorgungsproblemen und der Gewalt bereits in das Nachbarland Kolumbien.

Neben dem inneren steigt auch der Druck von außen auf die Maduro-Regierung, die Wahl abzusagen. US-Vizepräsident Mike Pence wiederholte in einem Telefonat mit Oppositionsführer Leopoldo López, dass die USA mit "starken und schnellen wirtschaftlichen Maßnahmen" reagieren würden, wenn die Wahl zur Verfassungsgebenden Versammlung stattfinde.