Venezuela - Ein Toter bei Referendum gegen Maduro Mehr als sieben Millionen Venezolaner haben gegen Pläne der Regierung gestimmt, die Verfassung zu ändern. Während des symbolischen Referendums kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen. © Foto: Jaime Saldarriaga/Reuters

Bei einem von der Opposition organisierten Referendum gegen die Regierung von Präsident Nicolás Maduro ist in Venezuela mindestens ein Mensch getötet worden. Vier weitere wurden laut Staatsanwaltschaft verletzt.

Regierungsnahe bewaffnete Milizen, sogenannte Colectivos, griffen Medienberichten zufolge Bürger im Stadtteil Catia in Caracas an. Etwa 500 Menschen seien anschließend in eine Kirche geflüchtet. Filmaufnahmen zeigten in Panik rennende Menschen, als Motorradfahrer an ihnen vorbeifahren. Zudem waren Schüsse zu hören.

Trotz der Gewalt nahmen viele Venezolaner an dem Referendum teil. 7,1 Millionen von ihnen stimmten gegen Maduros Pläne für eine Verfassungsreform. Das teilte die Opposition mit. Das Votum ist symbolisch, es hat keine direkten politischen Folgen. Die sozialistische Regierung hatte angekündigt, die Wahl nicht anzuerkennen.

Maduro möchte die Verfassung des Landes ändern. Er will am 30. Juli eine Versammlung wählen lassen, die eine neue, veränderte Verfassung verabschieden soll.

Regierungsgegner halten die Pläne für verfassungswidrig. Sie glauben, dass Maduro sich eine Diktatur aufbauen wolle. Auch die Bevölkerung ist skeptisch. Bloß 20 Prozent der Bürger stehen laut Umfragen hinter dem Vorhaben ihres Präsidenten. Die ohnehin schon bestehenden Proteste gegen die sozialistische Regierung hatten sich so noch verschärft.

Opposition hofft auf zivilen Ungehorsam

Das Oppositionsbündnis MUD – bestehend aus konservativen, liberalen und sozialdemokratischen Parteien – hofft, dass das Plebiszit ein klares Signal des zivilen Ungehorsams sendet. "Ich bin weiter Gefangener, ich kann nicht zum Wahllokal gehen. Ich rufe euch auf, die Schritte bis zu eurem Wahllokal zu gehen und für Venezuela zu stimmen", ließ der  bekannteste Oppositionelle Leopoldo López über den Twitteraccount seiner Frau ausrichten.

López wurde erst vor wenigen Tagen nach Jahren der Inhaftierung unter Hausarrest gestellt. Seiner Botschaft war ein Bild angehängt, das offenbar seinen eigenen Fuß mit elektronischer Fußfessel zeigte.

Mehr als 90 Menschen sind seit Anfang April bei massiven Straßenprotesten gegen die Regierung gestorben. Das Land leidet unter der höchsten Inflation weltweit und einer akuten Versorgungskrise. Es fehlt an Medikamenten und Lebensmitteln.