Der frühere Kommunikationsdirektor im Weißen Haus, Anthony Scaramucci, hat die Äußerungen von US-Präsident Donald Trump über die Neonaziproteste in Charlottesville kritisiert. "Ich hätte ihm nicht empfohlen, diese Stellungnahme abzugeben", sagte Scaramucci in seinem ersten Fernsehinterview nach seinem vorzeitigen Ausscheiden aus der Regierungszentrale. "Ich denke, er sollte deutlich härter im Umgang mit weißen Nationalisten sein", sagte der ehemalige Investor aus New York dem Sender ABC News.

Nach den Ausschreitungen rechtsextremer Gruppen vom Wochenende sah sich Trump mit dem Vorwurf konfrontiert, er habe sich nicht klar genug von den Ultrarechten distanziert. Bei der Gewalt in Charlottesville im Bundesstaat Virginia wurde eine Frau getötet, mindestens 19 Menschen wurden verletzt. Trump hatte in einer ersten Reaktion klare Schuldzuweisungen vermieden. Stattdessen hatte er die "Gewalt auf vielen Seiten" verurteilt und damit die Rechtsextremen auf eine Stufe mit den antirassistischen Gegendemonstranten gestellt. Später versuchte das Weiße Haus klarzustellen, dass Trump damit selbstverständlich auch Neonazis und Nationalisten gemeint habe. Unter den Teilnehmern des Aufmarschs waren Mitglieder des Ku-Klux-Klans und der sogenannten Alt-Right-Bewegung, die Trump im Präsidentschaftswahlkampf 2016 unterstützt hatte.

Scaramuccis Einschätzung zufolge gibt es im Weißen Haus kaum jemanden, der Trump für die Stellungnahme offen kritisiert. "Ich glaube, die Menschen sind unwillig, ihm die Wahrheit zu sagen." Allenfalls seine Tochter Ivanka oder sein Schwiegersohn Jared Kushner würden ihn darauf ansprechen. Ivanka Trump hatte Rassismus und Neonazis auf Twitter verurteilt. Scaramucci fügte hinzu, der Einfluss von Trumps Chefstrategen Steve Bannon würde die Arbeit des Präsidenten behindern. Trump müsse stärker auf die politische Mitte zugehen und Moderate und Unabhängige ansprechen.

Scaramucci, der sein Amt im Weißen Haus nach weniger als zwei Wochen räumen musste, zeigte sich in dem TV-Interview auch selbstkritisch. "Ich habe einen Fehler gemacht", sagte er im Hinblick auf ein Telefongespräch mit einem Journalisten, in dem er Kollegen im Weißen Haus beschimpfte. "Ich habe für die Konsequenzen bezahlt."