Eine Woche nach den Ausschreitungen in Charlottesville haben in Boston Zehntausende Menschen gegen Rassismus und Hass demonstriert. Ausdrückliches Lob dafür kam von US-Präsident Donald Trump. "Ich möchte den vielen Protestierenden in Boston applaudieren, die ihre Stimme gegen Fanatismus und Hass erheben", schrieb er auf Twitter. "Unser Land wird bald als ein Geeintes zusammenkommen!"

Zuvor hatte Trump die Demonstration mit Skepsis erwartet. Es sehe so aus, als ob in Boston "viele Anti-Polizei-Unruhestifter" seien, twitterte der Präsident. Nun twitterte Trump: "Unser großartiges Land ist seit Jahrzehnten geteilt". Er fügte hinzu: "Manchmal muss man protestieren, um zu heilen und wir werden heilen und stärker sein als je zuvor!"

Der Protestmarsch in Boston mit schätzungsweise 40.000 Teilnehmern richtete sich gegen eine deutlich kleinere Kundgebung, die Free Speech Rally. Nach Angaben der Organisatoren sollte diese für das Recht auf freie Meinungsäußerung eintreten; außerdem hatten sich die Organisatoren von den Neonazis und Rassisten aus Charlottesville distanziert. Die Gegendemonstranten sahen hinter der Kundgebung jedoch rechtsextreme Motive und erwarteten die Teilnahme ultrarechter Gruppen. Schließlich wurde die Kundgebung kurz nach Beginn abgebrochen.

Ein Teilnehmer der Free Speech Rally, Chris Hood, sagte, es sei unfair, die Veranstaltung mit dem Aufmarsch in Charlottesville zu vergleichen. "Das war nie die Absicht", sagte er. "Wir wollten nur für freie Meinungsäußerung an den Universitäten werben, freie Meinungsäußerung in den sozialen Netzwerken für konservative, rechte Redner. Und wir wollen keine Gewalt."

Beide Aufzüge hatte ein starkes Polizeiaufgebot begleitet, um erneute gewaltsame Auseinandersetzungen wie in Charlottesville zu verhindern. Teils bildeten Polizisten eine Kette, um die Gegendemonstranten zurückzudrängen. Einige antirassistische Kundgebungsteilnehmer warfen der Polizei daraufhin empört vor, "Nazis" zu schützen.

Nach Angaben des Polizeichefs William Evans gab es 27 Festnahmen wegen ordnungswidrigen Verhaltens und Angriffen auf Polizisten. Es kam zu Handgemengen mit den Einsatzkräften. Diese forderten Demonstranten auf, die Beamten nicht weiter mit Gegenständen zu bewerfen. 

Demos in weiteren Städten

Die von den Gegendemonstranten kritisierte Free Speech Rally war schon vor den Vorfällen in Charlottesville geplant gewesen. Nach Medienberichten waren mehrere Redner angekündigt worden, die mit Rechtsextremismus in Verbindung gebracht werden. Außerdem wurde die Teilnahme zahlreicher Rechtsradikaler befürchtet. Auch in Städten wie Dallas, Atlanta, New Orleans und Austin sind Demonstrationen gegen Rassismus geplant. Zudem kamen Protestierende vor Trumps Golf-Anwesen in New Jersey zusammen, wo er gerade seinen Urlaub verbringt.

Ausschreitungen gab es am Samstagabend im texanischen Dallas: Gegner und Befürworter eines Konföderierten-Denkmals gerieten nach einer Demonstration aneinander, als unter anderem der Abriss des Bauwerks gefordert wurde. "Jetzt ist die Zeit, das zu tun, was richtig für die Stadt Dallas ist. Jetzt ist die Zeit, diese Denkmäler abzureißen", sagte Pastor Michael W. Waters, Geistlicher einer afroamerikanischen Gemeinde. Die Polizei schätzte die Zahl der Demonstranten auf mehr als 2.300. Einige Bürger hatten Waffen in die Anlage mit dem Denkmal gebracht, um es gegen Vandalismus zu schützen. Die Konföderierten hatten im amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 für den Erhalt der Sklaverei gekämpft. Derzeit gibt es in vielen Städten in den USA Initiativen, die sich dafür einsetzen, entsprechende Statuen und Denkmäler zu entfernen.

Der Streit um eine Reiterstatue war vor einer Woche auch Anlass der Demonstration von weißen Nationalisten und Neonazis in Charlottesville. Dort war es zu Zusammenstößen mit Gegendemonstranten gekommen. Ein mutmaßlicher Rechtsextremist steuerte daraufhin sein Auto in eine Gruppe von Anti-Rassismus-Protestlern und tötete dabei eine Frau und verletzte zahlreiche weitere Menschen. Trump war diese Woche dafür kritisiert worden, die rechtsextreme Gewalt in Charlottesville relativiert zu haben.

USA - Proteste in Boston bleiben weitgehend friedlich In Boston sollten rechte Redner bei einer Kundgebung auftreten. Etwa 40.000 Menschen demonstrierten dagegen, die Veranstaltung wurde kurz nach Beginn abgebrochen. © Foto: Stephanie Keith, Reuters