Premierministerin Theresa May strebt wegen des bevorstehenden britischen EU-Austritts engere Wirtschaftsbeziehungen mit Japan an. Sie lege das Fundament für britisch-japanische Handels- und Investitionsbeziehungen auf "einem ganz neuen Niveau", sagte May bei ihrem Japan-Besuch. Wenige Orte böten bessere Chancen als die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.

May ging auch an Bord eines Kriegsschiffes, um die enger werdenden Sicherheitsbeziehungen zwischen den beiden Ländern zu verdeutlichen. An Bord der Izumo traf sie den japanischen Verteidigungsminister Itsunori Onodera. "Mein heutiger Besuch ist ein Zeichen für die wachsende Kooperation und Partnerschaft, die wir in Verteidigungsangelegenheiten haben", sagte sie während einer im Fernsehen übertragenen Ansprache. Später nahm sie an einem Treffen des Nationalen Sicherheitsrats von Japan teil.

Neue Brexit-Runde ohne Ergebnisse

In Brüssel tagte unterdessen die dritte Runde der Austrittsgespräche, ohne dass in den entscheidenden Bereichen greifbare Ergebnisse zustande kamen. EU-Chefunterhändler Michel Barnier sagte, man sei weiterhin weit davon entfernt, in die zweite Phase der Verhandlungen übergehen zu können. Dem Zeitplan zufolge sollte im Idealfall bereits ab Herbst über die künftigen Beziehungen beider Seiten nach dem Brexit gesprochen werden.

Verhandelt wurde in den vergangenen Tagen erneut über die britischen Finanzverpflichtungen, den künftigen Status der nordirisch-irischen Grenze sowie die Rechte der EU-Bürger. Eindeutige Fortschritte in diesen Bereichen sind für die EU Voraussetzung dafür, dass über die künftigen Beziehungen der EU zu Großbritannien gesprochen wird.

Ziel beider Seiten ist eine umfassende Vereinbarung, die sowohl die Trennungsfragen beantwortet als auch die künftigen Beziehungen klärt. Der Austritt soll nach derzeitigem Stand Ende März 2019 erfolgen. Wenn es bis dahin keine Übereinkunft gibt, scheidet Großbritannien ungeregelt aus der EU aus. Dies könnte zum Beispiel schwerwiegende wirtschaftliche Konsequenzen haben. "Mit jedem Tag, der vergeht, nähern wir uns dem Austrittsdatum", sagte Barnier. "Die Zeit drängt."

Der Fraktionsvorsitzende der christdemokratischen EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, Manfred Weber (CSU), hatte vor der Gesprächsrunde Großbritannien zu Zugeständnissen gedrängt und der britischen Verhandlungsseite ein "Versteckspiel" vorgeworfen. "Entweder ist die britische Regierung planlos oder sie versucht, sich aus taktischen Gründen über den Tory-Parteitag im Oktober hinüberzuretten", sagte Weber der Neuen Osnabrücker Zeitung. "Das ist frustrierend."

Der CSU-Politiker kündigte mehr Druck vonseiten des EU-Parlaments auf Großbritannien an. "Gespräche über das künftige Verhältnis der EU zu Großbritannien sind undenkbar, wenn es nicht endlich ernsthafte Ergebnisse in den Verhandlungen über die Trennung gibt." Das Europäische Parlament werde "sehr bald ein klares Zeichen in diese Richtung setzen".