Das chilenische Verfassungsgericht hat die Lockerung des strikten Abtreibungsverbot angenommen. Mit sechs zu vier Stimmen lehnte das Gericht zwei Anfechtungsklagen gegen die kürzlich vom Parlament gebilligte Reform ab. Demnach ist eine Abtreibung in Chile künftig in drei Ausnahmefällen erlaubt: bei Vergewaltigung, Lebensgefahr für die Mutter und tödlichen Erkrankungen des Fötus.

"Hiermit haben wir, die Frauen Chiles, ein Grundrecht wiedergewonnen, um vor extremen Fällen selbst entscheiden zu können", sagte die chilenische Präsidentin von der Sozialistischen Partei, Michelle Bachelet, nach Bekanntgabe des Richterspruchs. Zahlreiche Befürworter der Reform begrüßten die Entscheidung am Sitz des Verfassungsgerichts in Santiago de Chile mit Beifall. Sie dankten Bachelet, die gelernte Ärztin ist, für ihren Einsatz zugunsten der Reform.

Gegendemonstranten beschimpften die Befürworter des neuen Gesetzes als "Mörder". Rechte Parteien und konservative Politiker hatten die Reformen zuvor angefochten, sodass das Verfassungsgericht darüber entscheiden musste.

Der Gesetzesentwurf wurde 2015 von Bachelet im Parlament eingereicht und war mehr als zwei Jahre lang in Arbeit. Umfragen zufolge unterstützen ihn 70 Prozent der Bevölkerung. Damit er zum Gesetz wird, bedarf es noch der Unterschrift der Präsidentin.

Chile ist ein katholisch geprägtes Land, mit weltweit einem der bisher striktesten Abtreibungsverbote. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums werden dort jährlich 33.000 illegale Abtreibungen durchgeführt.

Bislang standen in Chile auch therapeutische Schwangerschaftsunterbrechungen unter Strafe. Von therapeutischen Abtreibungen spricht man, wenn der behandelnde Arzt feststellt, dass die Schwangerschaft entweder die Mutter oder den Fötus schädigen würde. Vor fast 30 Jahren, bis 1989, waren therapeutische Abtreibungen erlaubt. Erst 1990, im letzten Jahr der Militärdiktatur unter General Augusto Pinochet, wurde auch der therapeutische Schwangerschaftsabbruch kriminalisiert.