Der Kölner Schriftsteller Doğan Akhanlı sieht seine kritische Auseinandersetzung mit der Türkei als Ursache für seine von der Regierung in Ankara veranlasste vorübergehende Festnahme. Er habe kritisch über die türkische Politik und Geschichte geschrieben, sagte der ursprünglich aus der Türkei stammende Autor der ARD. "Das gefällt der Türkei bestimmt nicht. Sie möchten mich zum Schweigen bringen." Der 60-Jährige fügte hinzu, in seinem Alter wolle er nicht mehr schweigen.

Akhanlı, der ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft hat, war im Spanien-Urlaub festgenommen, nach einem Tag aber wieder freigelassen worden. Er darf Spanien für die Dauer des Auslieferungsverfahrens nicht verlassen.

Hintergrund der Festnahme ist nach Angaben von Akhanlıs Anwalt Ilias Uyar der Vorwurf, der Autor sei 1989 an einem Raubmord in Istanbul beteiligt gewesen – ein Vorwurf, von dem er vor einem türkischen Gericht zunächst freigesprochen worden war. Der Freispruch wurde aber 2013 wieder aufgehoben.

Uyar rechnet einem Zeitungsbericht zufolge nicht mit einer Auslieferung seines Mandanten an die Türkei. Dort sei ein rechtsstaatlicher Prozess für Akhanlı nicht möglich, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. In dem Fall gehe es nicht um Strafverfolgung, sondern darum, mit Interpol eine Jagd zu veranstalten. Am Montag müsse sich Akhanlı zum ersten Mal bei einem Sondergericht in Madrid melden, das für Auslieferungen und Terrorismus zuständig ist. Kanzlerin Angela Merkel hatte der Türkei vorgeworfen, die Polizeibehörde Interpol in dem Fall zu missbrauchen.