Die USA haben in Afghanistan deutlich mehr Soldaten als bislang bekannt. Das US-Verteidigungsministerium veröffentlichte eine Aufstellung, laut der dort 11.000 Kräfte stationiert sind und nicht 8.400, wie bislang bekannt.

Die neuen Angaben bedeuten laut Pentagon keine Truppenerhöhung, sie würden lediglich auf eine andere öffentliche Zählweise zurückgehen. Kommandeure nutzen Taktiken, um die offizielle Zahl der Soldaten künstlich niedrig zu halten, schreibt die Nachrichtenagentur AP. Sie veranlassten demnach beispielsweise Truppenentsendungen und -abzüge, von denen viele als "vorübergehend" bezeichnet wurden. Die frühere US-Regierung hatte die bislang bekannte Zahl als Obergrenze angegeben.

Pentagon-Sprecherin Dana White sagte, Verteidigungsminister James Mattis habe sich dazu entschlossen, für Transparenz zu sorgen. Deshalb lege man nun die tatsächliche Zahl offen. Über die genaue Zahl der Soldaten in Irak und Syrien wollte White jedoch nichts sagen. Auch dort sind laut Nachrichtenagentur AP Tausende Soldaten mehr stationiert, als das Pentagon öffentlich einräumt.

Trump hatte vor knapp zwei Wochen angekündigt, bis zu 3.900 zusätzlichen Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Sie sollen die Ausbildung afghanischer Truppen unterstützen, beratend tätig sein und bei Antiterroroperationen helfen. Grund sei, dass "Terroristen" am Hindukusch noch immer großen Einfluss hätten. Im Wahlkampf hatte Trump immer wieder versprochen, den Einsatz in Afghanistan zu beenden. Mattis habe noch keine Entscheidung getroffen, wie viele Soldaten nun zusätzlich nach Afghanistan entsandt werden sollten, teilte das Pentagon mit.

Seit 2001 sind US-Truppen in Afghanistan, es ist der längste Krieg der USA. Die radikalislamischen Taliban und andere radikale Gruppen haben ihren Einfluss in den vergangenen Jahren wieder ausbauen können. Seit Jahresbeginn flohen einem UN-Bericht zufolge mehr als 200.000 Menschen vor Kämpfen zwischen den Taliban und Sicherheitskräften.