Nach der Kritik an den zurückhaltenden Äußerungen von US-Präsident Donald Trump zu den Ausschreitungen von Charlottesville hat sich das Weiße Haus um eine Konkretisierung bemüht. Trump habe in seiner Erklärung am Samstag "sehr klar betont, dass er alle Formen der Gewalt, des Fanatismus und Hasses verurteilt", hieß es in einer Stellungnahme aus dem Regierungssitz in Washington. Dies gelte "natürlich auch für Neonazis, den Ku-Klux-Klan und alle extremistischen Gruppen".

Auch Trumps nationaler Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster nahm den Präsidenten in Schutz. Dem Sender ABC News sagte er, Trump sei in seinem Statement sehr deutlich gewesen und habe ausdrücklich jeden angesprochen, der für das Schüren "dieser Art von Bigotterie, Hass, Rassismus und Gewalt" verantwortlich sei.

Während der Demonstration am Samstag hatten sich einige der Rechtsextremisten auf Trump als Bestätigung für ihre Einstellungen berufen. "Wir erfüllen seine Versprechen", sagte zum Beispiel der frühere Ku-Klux-Klan-Anführer David Duke: "Dafür haben wir ihn gewählt, weil er uns unser Land zurückgeben will."

Ivanka Trump: "Kein Platz für Neonazis"

Trump hatte die Gewalt in der Kleinstadt im US-Bundesstaat Virginia erst mit einiger Verzögerung verurteilt. Am Ende seines Statements sagte er, diese sei "von vielen Seiten" ausgegangen. Auf Fragen von Journalisten, ob es sich bei dem Vorfall um Terrorismus handle und ob er die weißen Nationalisten ablehne, antwortete der Präsident jedoch nicht.

Politiker von Demokraten und Republikanern hatten daraufhin deutlichere Worte von Trump gefordert. Der republikanische Senator Marco Rubio sagte, es sei "sehr wichtig, dass der Präsident die Ereignisse in Charlottesville als das beschreibt, was sie sind: als Terroranschlag weißer Rassisten". Sein republikanischer Amtskollege Cory Gardner twitterte: "Wir müssen das Böse beim Namen nennen. Das war inländischer Terrorismus."

Auch Trumps Tochter Ivanka Trump äußerte sich sehr viel eindeutiger als ihr Vater. Auf Twitter schrieb sie, es sollte in der Gesellschaft keinen Platz für Rassismus, weiße Vorherrschaft und Neonazis geben. "Wir müssen alle als Amerikaner zusammenkommen – und ein vereintes Land sein", so die Tochter des Präsidenten.

FBI ermittelt gegen 20-Jährigen aus Ohio

Rechtsextreme Gruppen, darunter Anhänger der Alt-Right-Bewegung sowie frühere Vertreter des Ku-Klux-Klans, hatten am Samstag in Charlottesville gegen die Entfernung einer Statue des Konföderationsgenerals Robert E. Lee durch die Stadt demonstriert. Lee war Befürworter der Sklaverei und führte die Armee der Südstaaten im Amerikanischen Bürgerkrieg an. Es soll sich um eine der größten Demonstrationen von Nationalisten und Rechtsextremisten in den USA in den vergangenen Jahren gehandelt haben. Eine genaue Teilnehmerzahl ist noch nicht bekannt, die Polizei sprach von mehreren Tausend Menschen.

Schon vor Beginn der Kundgebung war es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten gekommen. Schließlich war ein Auto in einen Zug von Gegendemonstranten gefahren. Dabei wurde eine 32-jährige Frau getötet, 19 weitere Teilnehmer wurden teilweise lebensgefährlich verletzt. Die Polizei hat einen 20-Jährigen aus dem US-Bundesstaat Ohio als verdächtigen Fahrer festgenommen, wie die Stadtverwaltung auf Twitter schrieb.

Wie der Nachrichtensender CNN berichtet, ermittelt das FBI gegen den verdächtigen James F. wegen Totschlags, böswilliger Körperverletzung in drei Fällen und Fahrerflucht. "Böswillig" bedeutet in diesem Zusammenhang, dass es sich um eine Tat mit Absicht und in vollem Bewusstsein handelt und nicht im Affekt.

Insgesamt mussten nach den Protesten 35 verletzte Menschen im Krankenhaus behandelt werden. Zudem stürzte ein Polizeihubschrauber in der Nähe der Proteste ab. Dabei kamen zwei weitere Menschen ums Leben.