Wie dünn die Luft für Donald Trump geworden ist, zeigte sich ausgerechnet auf Fox News. Selbst die Moderatoren des konservativen Haussenders hatten Schwierigkeiten, Republikaner zu finden, die nach den Auftritten der vergangenen Tage noch öffentlich für den Präsidenten einstehen wollten. "Seien wir ehrlich: Republikaner haben eigentlich kein Problem damit, auf Fox News zu erscheinen", sagte Moderator Shep Smith am Mittwoch. "Aber wir konnten nicht einen finden, der ihn hier verteidigen wollte." 

Der einzige, der die Einladung annahm, kam aus der zweiten Reihe – nicht einmal der sonst so treue republikanische Politikbeobachter Gianno Caldwell war gekommen, um sich hinter Trump zu stellen. "Unser Präsident hat das Gewissen unseres Landes verraten", sagte Caldwell mit Tränen in den Augen in einer Live-Übertragung. "Er hat uns im Stich gelassen."

Seit den Äußerungen von Trump zu den Ausschreitungen in Charlottesville am vergangenen Wochenende hat sich der Graben zwischen ihm und dem Establishment in Politik und Wirtschaft noch einmal merklich vergrößert. Zahlreiche führende Konservative gingen öffentlich auf Distanz; sogar der Generalstab des Präsidenten und die Amtsvorgänger George H. W. und George W. Bush sahen sich gezwungen, deutlichere Worte zu finden als der Präsident.

"Er hat keinerlei politisches Kapital übrig"

Als Trump am Dienstag schließlich während einer hitzigen Pressekonferenz im Trump Tower zu der Feststellung kam, es gebe auch unter den rechtsextremen Demonstranten in Charlottesville "sehr gute Menschen", schien es auch den Firmenbossen zu reichen. Mehrere CEOs kündigten innerhalb weniger Stunden ihre Mitgliedschaft in Trumps Wirtschaftsrat, kurz darauf blieb dem Präsidenten nichts anderes übrig, als die Runde ganz aufzulösen, um sein Gesicht zu wahren.

"Er hat keinerlei politisches Kapital übrig", sagt der republikanische Parteistratege Ryan Williams angesichts des Exodus.

Nach dem Wahlsieg im November hatten die Konservativen trotz früherer Differenzen darauf gehofft, mit einer republikanischen Mehrheit im Kongress und Donald Trump im Weißen Haus die eigene Agenda vorantreiben zu können. Viele Skeptiker hatten ihm deshalb einen Vertrauensvorschuss gegeben. Doch die schwache Bilanz der vergangenen Monate macht die Partei zunehmend ungeduldig. Angesichts fehlender politischer Erfolge sind immer weniger Republikaner bereit, die Eskapaden des Präsidenten zu tolerieren. "Sie sind frustriert, dass ihr Präsident sie zu einer Debatte über Rassismus zwingt, anstatt über Steuernachlässe oder Infrastruktur zu sprechen", so Williams.

Dass nun die Privatwirtschaft dem Präsidenten den Rücken kehrt, ist ein weiterer Rückschlag. Die Marke Donald Trump war bislang untrennbar mit Corporate America verbunden. Schon als Kandidat hatte sich der New Yorker als Firmenflüsterer verkauft, der mit seinem Unternehmerstil im verfilzte Washington aufräumen würde. Zuletzt hatten sich aber auch die CEOs gegenüber Journalisten zunehmend frustriert gezeigt angesichts der Entscheidungen aus dem Oval Office – etwa der, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen.