Im Raketenstreit mit Nordkorea, der in einen heftigen Krieg der Worte ausgeartet ist, haben die USA und China die Führung in Pjöngjang zur Mäßigung aufgerufen. In einem Telefonat seien sich US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping einig gewesen, dass Nordkorea "sein provokatives und anheizendes Verhalten beenden muss", hieß es aus dem Weißen Haus. Die Spannungen hatten sich durch scharfe Kriegsrhetorik Nordkoreas und Donald Trumps seit Tagen aufgeheizt.

Beide Präsidenten stimmten überein, dass die jüngste UN-Resolution mit scharfen Sanktionen gegen Nordkorea "ein wichtiger und notwendiger Schritt" sei, um Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel wiederherzustellen. Das Weiße Haus hob hervor, dass das Verhältnis zwischen Trump und Xi Jinping "extrem eng" sei und "hoffentlich zu einer friedlichen Lösung des Nordkorea-Problems führen wird".

Nach chinesischer Darstellung rief Xi Jinping nicht nur Nordkorea, sondern alle Akteure zur Zurückhaltung auf, was auch Trump selbst einschließt. "Die betreffenden Parteien sollten Worte und Taten vermeiden, die die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel eskalieren könnten", zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua den Staatschef. China sei bereit, mit den USA zusammenzuarbeiten, um die Probleme "angemessen zu lösen".

Nordkorea-Konflikt - Weltweite Kritik zu den Spannungen zwischen Nordkorea und Trump US-Präsident Donald Trump und der norkoreanische Machthaber Kim Jong Un haben in den vergangenen Tagen mehrfach mit Militärschlägen gedroht. Angela Merkel und der russische Außenminister kritiserten das Verhalten. © Foto: Jonathan Ernst/Reuters

China spielt eine Schlüsselrolle

Das Telefongespräch folgte auf die scharfen Äußerungen Trumps, der Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un mit "Feuer und Wut" gedroht und ihn zuletzt am Freitag gewarnt hatte, dass die USA militärisch jederzeit "voll einsätzfähig" seien. Nordkorea seinerseits hatte erklärt, sich darauf vorzubereiten, Raketen in Richtung der US-Pazifikinsel Guam abzuschießen, wo die USA einen wichtigen Stützpunkt unterhalten. Nordkorea entwickelt ein Raketen- und Atomprogramm. Zuletzt wurde eine Langstreckenrakete getestet, die auch das amerikanische Festland erreichen könnte.

In dem Telefonat bekräftigten beide Staatsoberhäupter laut der der offiziellen Erklärung des Weißen Hauses ihre Absicht, die koreanische Halbinsel atomwaffenfrei machen zu wollen. Dabei ist dieser Teil der Erklärung möglicherweise ein diplomatischer Fauxpas, denn von chinesischer Seite wird die Denuklearisierung der gesamten koreanischen Halbinsel gemeint sein, während die US-Regierung sich auf Nordkorea bezieht.  

Neben den USA spielt China eine Schlüsselrolle in dem Konflikt und bei der Umsetzung der Sanktionen. Mehr als 80 Prozent des nordkoreanischen Handels geht über den großen Nachbarn. Die USA wollen, dass Peking den Druck auf Pjöngjang verschärft. Chinas Führung hofft hingegen, dass die USA auf Nordkorea zugehen und dessen Sicherheitsbesorgnisse ernst nehmen. China hat vorgeschlagen, dass die USA ihre Manöver mit Südkorea einstellen, während Nordkorea sein Atom- und Raketenprogramm aussetzt, um Verhandlungen aufzunehmen. 

US-Präsident Trump hatte am Freitag zudem etwas Druck aus den verbalen Eskalationen genommen. "Niemand liebt eine friedliche Lösung mehr als Präsident Trump", betonte er in Bedminster (New Jersey) nach Beratungen mit Außenminister Rex Tillerson und der amerikanischen UN-Botschafterin Nikki Haley.