Die USA wollen zukünftig ihr militärisches Engagement in Afghanistan verstärken. Er habe zwar anfangs den "Instinkt gehabt, die Truppen abzuziehen", sagte Donald Trump am Montagabend bei einer Ansprache auf dem Militärstützpunkt Fort Myer in der Nähe von Washington. Seine Berater hätten ihn aber überzeugt, verstärkt gegen die radikalislamischen Taliban in Afghanistan vorzugehen. Deshalb würden die USA, um den Sturz der Regierung in Kabul zu verhindern, ihren Einsatz in dem bereits seit 16 Jahren andauernden Konflikt verstärken. 

Wie viele Soldaten zusätzlich an den Hindukusch entsandt werden, sagte der US Präsident nicht. Militärexperten schätzen jedoch, dass Trump den Empfehlungen des Pentagons folgen und rund 4.000 Soldaten zusätzlich zu den 8.400 bereits dort Stationierten entsenden wird. Die USA müssten ein "ehrenhaftes und nachhaltiges Ergebnis" in der Region anstreben, sagte Trump. Ein hastiger Rückzug des Militärs könne zu einem Vakuum führen, dass dann von Terroristen genutzt würde.

Anders als unter seinem Vorgänger, Barack Obama, würde die neue Strategie der USA an der Situation und Fortschritten in dem Land abhängig gemacht und nicht von Zeitvorgaben. Es ginge den USA nicht darum, andere Länder aufzubauen, sondern darum, Terroristen zu bekämpfen.

Truppen sollen mehr Freiheiten bekommen

Die US-Truppen erhielten zudem größere Freiheiten, um Terroristen und international agierende kriminelle Netzwerke ins Visier zu nehmen. "Diese Mörder müssen wissen, dass es für sie kein Versteck gibt", sagte Trump. Auch solle das Nachbarland Pakistan stärker in die Pflicht genommen werden, kündigte Trump an. Pakistan gehe zu wenig gegen Terroristen vor und gebe "Vermittlern von Chaos, Gewalt und Terror" einen Zufluchtsort. Für den Krieg in Afghanistan sei es auch wichtig, die US-Strategie gegenüber dem Nachbarland zu ändern und den Druck "wesentlich zu erhöhen".

Trump hat sich zudem offen für eine mögliche politische Einigung mit den radikalislamischen Taliban in Afghanistan gezeigt. "Irgendwann, nach einem erfolgreichen Militäreinsatz, wird vielleicht eine politische Einigung möglich sein, die auch Elemente der Taliban in Afghanistan einschließt", sagte der Präsident. Niemand könne jedoch sagen, "wann oder ob das geschehen wird"

Kurz nach der Ansprache von Trump meldete sich US-Verteidigungminister James Mattis zu Wort und ergänzte: Er habe mit dem Vorsitzenden des gemeinsamen Generalstabs gesprochen und diesen angewiesen, die Anordnungen Trumps umzusetzen. Er werde sich mit den US-Verbündeten und Nato-Mitgliedern beraten, von welchen einige ebenfalls zugesagt hätten, ihre Soldatenzahl zu erhöhen, so Mattis. "Gemeinsam werden wir die afghanischen Sicherheitskräfte dabei unterstützen, das Drehkreuz für Terroristen zu zerstören."

Die radikalislamischen Taliban reagierten mit scharfen Drohungen auf die Ankündigung von Trump. Sie wollen ihr militärisches Engagement in Afghanistan verstärken. Die Kämpfer hielten am Dschihad fest, sagte der Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid. Er forderte einen kompletten Rückzug der US-Truppen: So lange es nur einen einzigen amerikanischen Soldaten in Afghanistan gebe, werde der Heilige Krieg geführt.