Im Skandal um mit Fipronil belastete Eier will die EU-Kommission ein schnelles Krisentreffen organisieren. Der für Lebensmittelsicherheit zuständige EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis will Minister und Vertreter der zuständigen nationalen Behörden an einen Tisch holen, teilte er mit. Das Treffen soll am 26. September stattfinden. "Es bringt uns nicht weiter, wenn einer dem anderen den Schwarzen Peter zuschiebt. Ich will das stoppen", sagte der Litauer, der nach eigenen Angaben bereits mit den zuständigen Ministern in Deutschland, Belgien und den Niederlanden gesprochen hat.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) begrüßt das europäische Krisentreffen zum Eier-Skandal. "Ich sehe Bedarf für eine engere Abstimmung auf europäischer Ebene", sagte er. Die Fipronil-Belastung habe eine europäische Dimension und müsse europäisch gelöst werden.

Vom Eierskandal sind mittlerweile 15 europäische Länder betroffen. Nach Angaben der EU-Kommission gibt es aber auch in Hongkong erste Fälle. Ursprünglich wurde in Belgien ein für die Nutztierhaltung zugelassenes, rein pflanzliches Desinfektionsmittel mit dem für die Nutztierhaltung verbotenen Fipronil gemischt. Das Mittel wurde dann von einer niederländischen Firma in zahlreichen Ställen in den Niederlanden eingesetzt. Millionen belastete Eier wurden nach Deutschland verkauft – und von dort weiter in andere Länder.

"Wir müssen in allen Einzelheiten aufklären, was passiert ist", sagte EU-Kommissar Andriukaitis. "Wir brauchen eine umfassende Analyse dieses Falls." Die Experten müssten herausfinden, wo die Probleme entstanden sind – "damit wir uns hinsetzen und über Lösungen und Folgen sprechen können".

Mitgliedstaaten machen sich bereits gegenseitig schwere Vorwürfe: Belgien wirft den Niederlanden vor, erste Hinweise über den Einsatz von Fipronil in Hühnerställen Ende 2016 nicht weitergegeben zu haben, Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt kritisierte das Krisenmanagement Belgiens und der Niederlande. Die Informationen seien zu langsam und zu spärlich geflossen, sagte der CSU-Politiker.

EU-Kommissar Andriukaitis betonte, die Lebensmittelsicherheit in der Union sei eine der höchsten der Welt, das System sei "gut". Nun müssten die Mitgliedsländer zusammenarbeiten, um die nötigen Lehren aus dem Skandal zu ziehen. "Statt Energie mit gegenseitigen Schuldzuweisungen zu verlieren, sollten wir in die Zukunft schauen."

Fipronil - Staatsanwaltschaft ermittelt im Eier-Skandal Grüne Minister aus Niedersachsen werfen Agrarminister Christian Schmidt (CSU) vor, die Aufklärung des Fipronil-Skandals zu behindern. Er wolle kein national koordiniertes Vorgehen. © Foto: Francois Lenoir/Reuters