In der Universitätsstadt Charlottesville in Virginia haben Tausende Rechtsradikale demonstriert, am Ende waren drei Menschen tot, 35 verletzt und der US-Präsident muss sich zu seinem Verhältnis zur rechten Szene äußern. Ein Überblick über die wichtigsten Fakten zu den Vorfällen.

Was ist am Samstag im Charlottesville passiert?

In der zwei Autostunden südwestlich von Washington, D.C., gelegenen 50.000-Einwohner-Stadt hatten sich am mehrere Hundert Menschen aus verschiedenen ultrarechten Gruppen zu einer Kundgebung unter dem Motto "Vereinigt die Rechte" versammelt. Darunter waren Anhänger der Alt-Right-Bewegung, Neonazis und Mitglieder des Ku-Klux-Klan. 

Anlass für den Aufmarsch war ein Stadtratsbeschluss, wonach eine Statue des Konföderierten-Generals Robert F. Lee aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 entfernt werden sollte. Die Konföderierten kämpften unter anderem für den Fortbestand der Sklaverei. Die Stadt Charlottesville ist heute überwiegend demokratisch geprägt.

Bereits am Freitagabend waren Hunderte Rechtsextreme mit Fackeln durch die Stadt gezogen. Am Samstag prügelten sich Stunden vor der eigentlichen Veranstaltung Rechte und Gegendemonstranten. Die tödliche Attacke auf eine Gegendemonstrantin ereignete sich aber erst, als die rechten Kundgebungsteilnehmer größtenteils abgezogen waren und die Gegendemonstranten einen Demonstrationszug gebildet hatten. Ein 20-jähriger Mann aus Ohio raste dann mit seinem Fahrzeug allem Anschein nach absichtlich in eine Gruppe Demonstranten. Die 32-jährige Heather Heyer starb dabei, 19 Menschen wurden verletzt. 

Zudem wurden 16 Menschen bei den Prügeleien verletzt. Beim Absturz eines Hubschraubers, aus dem die Zusammenstöße aus der Luft beobachtet worden waren, starben zwei Einsatzkräfte. Die Absturzursache ist bisher nicht bekannt.

Was weiß man über den Autofahrer?

Der 20-jährige James Alex Fields Jr. stammt aus Ohio. Er versuchte nach der Tat, im Rückwärtsgang mit dem Auto davonzufahren, wurde aber kurze Zeit später festgenommen. Er muss sich nun wegen Mordes, Körperverletzung und Fahrerflucht verantworten. Das FBI leitete zudem Ermittlungen wegen eines möglichen Hassverbrechens ein.

James ist Medienberichten zufolge im Norden Kentuckys bei seiner gelähmten Mutter aufgewachsen. Sein Vater war vor seiner Geburt gestorben. Ein Onkel beschrieb ihn in der Washington Post als "nicht wirklich freundlich, eher dumpf". Andere Nachbarn und Bekannte sagten, er habe sehr ruhig und zurückgezogen gelebt und Schwierigkeiten gehabt, Freunde zu finden. Auf seiner Facebookseite fanden sich Hakenkreuze, Hitlerzitate und andere Sympathiebekundungen für Nazis. Auch auf den Fotos des Aufmarsches vom Samstag ist der Mann in den Reihen der Rechtsextremen zu sehen.

Ein früherer Lehrer Fields sagte, dieser sei von der nationalsozialistischen Ideologie fasziniert gewesen und habe in Adolf Hitler ein Idol gesehen. Bereits im neunten Schuljahr an der High School habe er "tiefe, radikale" Überzeugungen zu Herkunft und Abstammung gehabt, sagte der Lehrer in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP. Die Mutter des 20-Jährigen beteuerte, sie habe nicht gewusst, dass ihr Sohn offenbar mit Anhängern einer radikalen weißen Gruppe zu tun hatte.

Zu der Demonstration in Charlottesville, die er besuchen wollte, habe sie ihm gesagt, er solle vorsichtig und friedlich sein. "Ich dachte, es hätte etwas mit Trump zu tun."

Was weiß man über das Opfer?

Die 32-jährige Heather Heyer war eine Rechtsanwaltsgehilfin aus Virginia, die sich laut Guardian häufig in den sozialen Netzwerken für Bürgerrechtsangelegenheiten einsetzte. Sie protestierte gegen Rassismus sowie Amtsmissbrauch durch die Polizei und unterstützte die Kampagne des linken Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders. Ihr Vorgesetzter beschrieb sie nach ihrem Tod als "sehr starke junge Frau", die sich immer für Gleichheit eingesetzt habe. Ihr letzter Eintrag auf Facebook lautete: "Wer sich nicht empört, schaut einfach nicht hin."