Die irakische Armee soll die Stadt Tal Afar beinahe vollständig von der Terrormiliz "Islamischer Staat" befreit haben. Die Extremisten seien aus allen 29 Stadtbezirken vertrieben worden, teilte das Militär mit. Die verbliebenen IS-Kämpfer haben sich den Angaben zufolge elf Kilometer nordwestlich von Tal Afar verschanzt. Dort dauerten die Gefechte noch an. 

Bereits am Samstag hatte die Armee verkündet, dass sie das Zentrum der strategisch wichtigen Stadt erobert hatte. Die Streitkräfte hissten die irakische Flagge auf der osmanischen Zitadelle in der Innenstadt, die von den Dschihadisten bereits 2014 fast vollständig zerstört worden war.

Der IS verliert in Syrien und dem Irak mehr und mehr Gebiete seines sogenannten Kalifats. Erst vor sieben Wochen war die ehemalige IS-Hochburg im Irak, Mossul, befreit worden. Auch Tal Afar im Nordwesten des Landes war ein strategisch wichtiger Stützpunkt für die Terrormiliz, da die Stadt an der Verbindungsstraße zwischen Mossul und Syrien liegt. In Syrien ist das durch US-Luftangriffe unterstützte kurdisch-arabische Militärbündnis der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) derzeit dabei, den IS aus der Provinzhauptstadt Rakka zu vertreiben.

Die irakische Armee hatte vor einer Woche mit der Befreiung Tal Afars begonnen. Menschen, die aus der Stadt flüchteten, berichteten, dass die IS-Kämpfer schon zu Beginn der Offensive erschöpft und ausgelaugt gewirkt hätten. Außerdem seien die Extremisten laut dem Militär in der Minderheit. Etwa 2.000 IS-Kämpfer sollen zu Beginn der Offensive nach Schätzungen westlicher Militärexperten rund 50.000 Soldaten gegenüber gestanden haben.   

Nach Schätzungen von US-Militärkommandeuren halten sich derzeit noch rund 20.000 Zivilisten in der Stadt auf. Sie wurden nach Berichten von Hilfsorganisationen und Überlebenden von IS-Kämpfern mit dem Tod bedroht. Vor dem Krieg lebten etwa 200.000 Menschen in Tal Afar, überwiegend schiitische Turkmenen. Nach der US-geführten Invasion im Irak kam es dort immer wieder zu Ausschreitungen zwischen Sunniten und Schiiten. Die Stadt gilt als besonders anfällig für islamistische Strömungen, mehrere hochrangige IS-Kommandeure stammen von dort.

Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian sagte bei einer Pressekonferenz mit seinem irakischen Kollegen Ibrahim al-Dschafari, der Kampf gegen den IS sei zwar noch nicht gewonnen. Aber es beginne eine Phase des Friedens, der Stabilisierung und der Versöhnung. "Wir sind im Krieg präsent und werden es auch im Frieden sein", sagte Le Drian. 

Währenddessen haben die libanesische Armee und die Hisbollah-Miliz ihre Kämpfe gegen den "Islamischen Staat" in Syrien vorerst eingestellt. Die libanesische Armee will mit der Terrormiliz über die Freilassung von Soldaten verhandeln, die bereits seit drei Jahren als Geiseln gehalten werden.

Die schiitische Hisbollah legte die Kampfpause ein, weil es ihr um eine "umfassende Einigung auf ein Ende der Kämpfe" in der Region West-Kalamun auf der syrischen Seite der Grenze ginge, hieß es. Die libanesische Miliz kämpft aufseiten des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad gegen den sunnitischen IS.