Sucht man so etwas wie den britischen Über-Konservativen, stößt man schnell auf Jacob Rees-Mogg: Der Sohn schwerreicher Eltern hat das Elite-Internat Eton und die Elite-Universität Oxford besucht und später im Londoner Bankenviertel ein Vermögen gemacht. Der Abgeordnete für den Wahlkreis North East Somerset hat dazu den sogenannten upper class drawl perfektioniert, die (nicht nur für ausländische Ohren) gestelzt klingende Sprechweise der britischen Oberschicht, und seine Kinder tragen befremdliche Namen. Rees-Moggs kürzlich auf die Welt gekommener Sohn beispielsweise heißt Sixtus Dominic Boniface Christopher. Es soll eben bloß kein Zweifel aufkommen, dass auch sie zur absoluten Elite gehören.  

Damit nicht genug, bezeichnet sich Rees-Mogg als "sehr religiös", wohnt in einem millionenschweren Anwesen, fordert weniger Sozialausgaben und Steuersenkungen für Reiche, bezweifelt den vom Menschen gemachten Klimawandel, hasst die EU und lehnt die gleichgeschlechtliche Ehe ab. Und er steht offenbar auch dann zu God Save The Queen auf, wenn er gerade in der Badewanne liegt. Rees-Mogg ist mit seinen 48 Jahren bereits eine Art lebendes Fossil. 

Wegen seiner erzreaktionären Ansichten war der exzentrische Politker bei den Tories bislang nur eine Randfigur. Doch das hat sich vor Kurzem geändert: Denn derzeit wird Rees-Mogg als potentieller Nachfolger von Premierministerin Theresa May gehandelt.

Im Oktober könnte May ihr Amt verlieren

Deren politische Laufbahn hängt an einem seidenen Faden, seit es May geschafft hat, die Tories bei den (vollkommen überflüssigerweise) vorgezogenen Neuwahlen Anfang Juni an den Rand einer Niederlage zu führen. Bislang hat sich die Partei zähneknirschend darauf verständigt, May als Parteichefin und Premierministerin zu behalten. Doch der Parteitag der Tories Anfang Oktober rückt näher. Viele Mitglieder der für ihre Schlammschlachten und Königsmorde berüchtigten Partei dürften dort darauf drängen, die glücklose Premierministerin abzulösen.

In einer Umfrage der konservativen Webseite Conservative Home, in der Parteimitglieder der Tories gefragt wurden, wer der nächste Parteichef werden sollte, landete Rees-Mogg kürzlich überraschend an zweiter Stelle – hinter Brexit-Minister David Davis und noch vor Boris Johnson. Der galt mal als Spitzenkandidat für den Job, doch er hat sich in den vergangenen Monaten so oft öffentlich blamiert, dass viele Briten von ihm nichts mehr wissen wollen. Auch die britischen Buchmacher sehen Rees-Mogg bei der Nachfolge Mays an zweiter Stelle.

Mehr als 23.000 Menschen haben in den vergangenen Wochen zudem eine Petition unterzeichnet, die zum Ziel hat, Rees-Mogg zum Chef der Tories und somit zum Premierminister zu machen. Ein Ultra-Fan hat sich sogar "Moggmentum" auf die Brust tätowieren lassen.

"Moggmentum", wie das Rees-Mogg-Phänomen derzeit oft bezeichnet wird, ist eine Anlehnung an "Momentum", die Basisorganisation, die den linken Labour-Chef Jeremy Corbyn unterstützt. Der offensichtliche Gedanke dahinter: Rees-Mogg könnte die konservative Antwort auf Corbyn sein.