Nordkorea - Mittelstreckenrakete fliegt über Japan Am Dienstagmorgen feuerte Nordkorea eine Mittelstreckenrakete ab, die über Japan hinwegflog. Japans Ministerpräsident sprach von einer «ungeheuren Bedrohung des Friedens». © Foto: AFP/Getty Images

Nordkorea hat nach Angaben Südkoreas eine ballistische Rakete über Japan hinweggeschossen. Das "nicht identifizierte Geschoss" wurde demnach um 5.57 Uhr in einem Gebiet nahe der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang abgefeuert und flog etwa 2.700 Kilometer weit. Es erreichte eine Höhe von 550 Kilometern, teilte der Generalstab der südkoreanischen Armee mit.

Anschließend fiel die Rakete etwa 1.180 Kilometer östlich der nördlichen japanischen Insel Hokkaido in den Pazifik. Japan hatte in der Vergangenheit angekündigt, nordkoreanische Raketen abzuschießen, die eine Bedrohung japanischen Territoriums darstellten. Bei dem rund zweiminütigen Überflug der Rakete sei die Armee jedoch zu der Einschätzung gekommen, dass keine Gefahr für japanisches Gebiet bestehe, sagte Verteidigungsminister Itsunori Onodera.

Trotz dieser Einschätzung hatten die Behörden zahlreiche Einwohner im Norden des Landes über Textnachrichten aufgefordert, Schutz zu suchen. Zugpassagiere wurden angewiesen, sich in Bahnhöfen in Sicherheit zu bringen. Japans Regierungschef Shinzo Abe sprach von einer "beispiellosen und ernsthaften" Bedrohung.

Abe und Trump wollen Druck auf Nordkorea erhöhen

Abe kündigte an, gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump den Druck auf die international weitgehend isolierte Führung in Pjöngjang weiter zu erhöhen. Darauf habe er sich nach einem 40-minütigen Telefonat mit Trump verständigt. Der US-Präsident habe ihm versichert, "zu hundert Prozent" an der Seite Japans zu stehen. Diplomaten zufolge soll der UN-Sicherheitsrat am Dienstagnachmittag in New York auf Antrag Japans und der USA zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen.

Südkorea reagierte auf den Abschuss mit einer Militärübung. Vier F15K-Kampfjets hätten auf einen Schießplatz in der Nähe der innerkoreanischen Grenze Bomben fallen lassen, teilte ein Sprecher von Präsident Moon Jae In mit. Bei der Übung sei die nordkoreanische Führung als simuliertes Ziel ausgegeben worden, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. Moon hatte zuvor die Streitkräfte angewiesen, ihre Kampfkraft zu demonstrieren.

Der Nationale Sicherheitsrat in Südkorea verurteilte den Raketentest durch Nordkorea als Verletzung von UN-Resolutionen. Diese verbieten dem Land Tests mit ballistischen Raketen. Das sind in der Regel Boden-Boden-Raketen, die je nach Bauart konventionelle, chemische, biologische oder atomare Sprengköpfe transportieren können. 

Raketensysteme & Reichweiten Nordkorea

Theoretische Reichweiten nordkoreanischer Raketensysteme, geschätzt und hochgerechnet

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2009 überflog die letzte Rakete Japan

Zuletzt hatte eine nordkoreanische Rakete im Jahr 2009 Japan überquert. Nach Angaben der nordkoreanischen Regierung handelte es sich damals um einen Satellitenstart. Die USA, Japan und Südkorea vermuteten hingegen einen Test einer Interkontinentalrakete vom Typ Taepodong-2. Der jüngste Abschuss war der erste in Richtung Japan ohne Ankündigung.

Ein Analyst des Institute for Far Eastern Studies (IFES) in Seoul sagte, erste Daten des Fluges legten nahe, dass es sich bei der abgeschossenen Rakete um den Typ Hwasong-12 handelte, eine neuere Mittelstreckenrakete, wie Nordkorea sie laut seiner Drohungen in Richtung des US-Außengebiets Guam schießen will.

Nordkorea hatte erst zwei Tage zuvor drei Kurzstreckenraketen abgefeuert, offenbar als Reaktion auf ein gemeinsames Militärmanöver der USA und Südkoreas. Der US-Armee zufolge stürzten die Raketen ins Meer und stellten keine Gefahr für das nordamerikanische Festland und die Pazifikinsel Guam dar, auf der die USA mehrere Militärstützpunkte unterhalten.

Nordkorea hatte Anfang August damit gedroht, Raketen in Richtung Guam abzufeuern. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump Pjöngjang mit "Feuer und Wut" indirekt einen Atomwaffeneinsatz angedroht. Pjöngjang hatte im Juli zwei Interkontinentalraketen getestet, die nach Angaben der Regierung Ziele auf dem US-Festland erreichen können. Daraufhin verschärfte sich der Ton zwischen Washington und Pjöngjang deutlich. Zudem verhängte der Weltsicherheitsrat die bislang schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea.

Die nordkoreanische Regierung arbeitet an Raketen, die einen Atomsprengkopf bis in die USA tragen können. Nordkorea wirft den USA regelmäßig vor, durch ihre Manöver mit Südkorea eine Angriff vorzubereiten, was beide Länder bestreiten.