China hat während zunehmender Spannungen mit Nordkorea vor der koreanischen Halbinsel ein Militärmanöver begonnen. Dabei wurden am Dienstag mehrere Raketen abgefeuert. Laut dem chinesischen Verteidigungsministerium sind Einheiten der Marine und der Luftwaffe an der Übung im Gelben Meer und im Golf von Bohai beteiligt. 

Die Soldaten sollen dem Verteidigungsministerium zufolge vor Chinas Ostküste Waffen und Flugabwehrsysteme erproben und Angriffe auf Küsten üben. Der Schiffsverkehr in der Region wurde bis Dienstag verboten.

Gleichzeitig sagte China eine strikte Umsetzung der verschärften UN-Sanktionen gegen Nordkorea zu. Die Volksrepublik werde wegen ihrer traditionell engen Wirtschaftsbeziehungen zu Nordkorea zwar den höchsten Preis dafür zahlen müssen, sagte Außenminister Wang Yi bei einem Treffen des südostasiatischen Staatenbundes Asean in Manila. Dennoch werde man die neue Resolution der UN "vollständig umsetzen", um "das System gegen die Verbreitung von Atomwaffen zu stärken und den Frieden und die Stabilität in der Region zu schützen".

Wang sprach sich auch für eine Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche aus. Die neue UN-Resolution mache seiner Auffassung nach klar, dass die gestoppten Verhandlungen zwischen Nordkorea sowie Südkorea, China, Russland, Japan und den USA zur Lösung des Konflikts fortgesetzt werden sollten. Dies hätten auch die USA im Sicherheitsrat unterstützt.

China ist Nordkoreas wichtigster Verbündeter und Haupthandelspartner. Am Samstag hatte die Volksrepublik jedoch drastischen Handelssanktionen gegen Nordkorea zugestimmt. Der UN-Sicherheitsrat entschied damit einstimmig für die bisher härtesten Wirtschaftssanktionen gegen das international isolierte Land. Danach hatte China das Regime in Pjöngjang zudem indirekt dazu aufgerufen, seine Atom- und Raketentests zu stoppen. Die Sanktionen beinhalten unter anderem Ausfuhrverbote auf Kohle, Eisen, Blei und andere Rohstoffe. Damit werden die ohnehin schon niedrigen Exporterlöse Nordkoreas nach US-Angaben um eine Milliarde Dollar und so mindestens um ein Drittel gekürzt.

Zuvor hatte Nordkorea den zweiten Raketentest innerhalb eines Monats durchgeführt. Die Ende Juli abgefeuerte Rakete hatte nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10.000 Kilometern. Damit hätte sie die Westküste des US-Festlands treffen können. Seit 2006 hat Nordkorea außerdem fünf Atomwaffentests durchgeführt, davon zwei im vergangenen Jahr. Die Tests machen deutlich, dass Machthaber Kim Jong Un trotz der Sanktionen sein Raketen- und Atomwaffenprogramm seit Jahren vorantreibt.