Knapp zwei Wochen nach Nordkoreas Test einer Interkontinentalrakete, die das US-Festland erreichen könnte, heizt sich der Konflikt mit den USA auf: Nachdem Donald Trump gedroht hatte, den Provokationen aus Pjöngjang "mit Feuer, Wut und Macht" zu begegnen, "wie die Welt es so noch nicht gesehen hat", reagierte Nordkorea mit einer Drohung: Das Land prüfe Pläne für einen Raketenangriff auf den amerikanischen Militärstützpunkt auf der Insel Guam im Westpazifik. Die Armee erwäge, Gebiete rund um Guam mit ballistischen Mittel- und Langstreckenraketen "in Feuer einzuhüllen", berichtet die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Der Schritt folge auf den jüngsten Test einer Interkontinentalrakete durch die Vereinigten Staaten, hieß es.

Raketensysteme & Reichweiten Nordkorea

Theoretische Reichweiten nordkoreanischer Raketensysteme, geschätzt und hochgerechnet

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Die Frage sei, "ob nur die USA die Option eines von ihnen so genannten Präventivkriegs haben", teilte die Armee mit. Nordkorea nutze seine strategischen Waffen "weder als Faustpfand, um Anerkennung von Dritten zu bekommen, noch für irgendeinen Tauschhandel". Vielmehr seien sie "ein wichtiges militärisches Mittel, um entschlossen den politischen und wirtschaftlichen Druck der USA sowie ihre militärischen Drohungen zu kontern". 

"Das ist typisch Trump"

Von der vorangegangenen wütenden Reaktion Trumps distanzierten sich mittlerweile mehrere US-Politiker: Der republikanische US-Senator John McCain sagte, es sei unwahrscheinlich, dass der Präsident in der Lage sein werde, seinen Worten Taten folgen zu lassen. "Die großen Führer, die ich kenne, sprechen keine Drohungen aus, solange sie nicht zum Handeln bereit sind. Und ich bin nicht sicher, dass Präsident Trump zum Handeln bereit ist", sagte McCain dem US-Radiosender KTAR. Zugleich warnte er davor, die Äußerung des Präsidenten allzu ernst zu nehmen: "Das ist typisch Trump. Er neigt zu Übertreibungen."

Auf der Seite der oppositionellen Demokraten gab es weniger Verständnis für Trumps Art der Kommunikation: "Gegenüber Nordkorea müssen wir hart und mit Bedacht vorgehen", sagte Senator Chuck Schumer. "Unbesonnene Rhetorik ist keine gute Strategie, um die Sicherheit Amerikas zu gewährleisten." Ähnlich kommentierte laut CNN auch Senatorin Dianne Feinstein die Lage: "Präsident Trump trägt mit seinen bombastischen Äußerungen nicht zur Entspannung der Lage bei."

Der ranghöchste Demokrat im Außenausschuss des Senats, Ben Cardin, verglich Trumps Worte gar mit der Rhetorik aus Pjöngjang: "Wir sollten nicht in dasselbe Wutgeschrei und dieselben Provokationen über einen Atomkrieg einstimmen wie Nordkorea." 

Angesichts des Atomstreits warnte der Bürgermeister der japanischen Stadt Nagasaki vor einer neuen nuklearen Bedrohung. Weltweit gehe derzeit die Angst um, "dass diese Waffen in nicht allzu ferner Zukunft tatsächlich wieder genutzt werden könnten", sagte Tomihisa Taue. Nagasaki müsse der "letzte Ort" bleiben, der einen Atomangriff erlitten habe.

Atomare Bewaffnung weiter als angenommen

Unter dem Eindruck des fortschreitenden nordkoreanischen Atomprogramms rief Südkoreas Präsident Moon Jae zu einer tief greifenden Reform der eigenen Streitkräfte auf: "Ich glaube, wir brauchen eine vollständige Verteidigungsreform im Sinne einer Wiedergeburt, anstatt nur einige Modifizierungen oder Verbesserungen durchzuführen." Der Staatschef hatte sich zu einer Besprechung mit sechs Spitzenbefehlshabern seines Militärs getroffen.

Zuvor hatte die Washington Post gemeldet, dass Nordkorea einen Miniaturatomsprengkopf herstellen und damit Raketen bestücken könnte. Die Zeitung beruft sich dabei auf die Analyse eines amerikanischen Geheimdienstes. Ein in Tokio veröffentlichtes Weißbuch des japanischen Verteidigungsministeriums kommt zum gleichen Schluss. Wie viele Miniaturatomsprengköpfe Nordkorea möglicherweise entwickelt hat, ist unklar. Die USA gehen davon aus, dass das gesamte nordkoreanische Arsenal bei 60 Nuklearwaffen liegt. Unabhängige Experten hingegen schätzen die Anzahl der Washington Post zufolge auf etwa halb so viel.

Die Unruhe der US-Regierung hat zugenommen, nachdem Nordkorea im Juli zwei ballistische Interkontinentalraketentests durchführte. Beide Geschosse landeten in japanischen Gewässern, wurden zuvor jedoch in hohen Winkeln abgeschossen. Analysten zufolge könnten die Raketen Alaska, Los Angeles und Chicago erreichen, wenn sie auf eine flachere Flugbahn geschickt würden.

Pjöngjang indes reagierte verärgert auf die an dem vergangenen Wochenende verhängten neuen Sanktionen des UN-Sicherheitsrats, die von den USA eingebracht worden waren. "Wir werden die USA das Tausendfache zurückzahlen lassen für alle abscheulichen Verbrechen, die sie gegen den Staat und das Volk dieses Landes (Nordkoreas) verbrochen haben", hieß es in den Staatsmedien.

Atomprogramm - Nordkorea verweigert Verhandlungen Trotz der jüngsten UN-Sanktionen will Nordkorea nicht von seinem Atomprogramm abweichen. Die neuen Strafmaßnahmen verbieten die Ausfuhr von mehreren Gütern, um die Exporteinnahmen zu verringern. © Foto: Uncredited/KCNA via KNS/dpa