Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien wollen enger mit afrikanischen Ländern zusammenarbeiten, um die Migration nach Europa zu verringern. Dazu reist Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag auf Einladung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu einem Spitzentreffen nach Paris. Teilnehmen werden auch die Staatschefs der Saharastaaten Niger und Tschad sowie der Ministerpräsident der international anerkannten Übergangsregierung in Libyen, Fajis al-Sarradsch.

Die deutsche Opposition kritisierte das Treffen. "Man will eigentlich eine Mauer – wie Donald Trump, nur im Mittelmeer – errichten, aus Militärschiffen der EU, der Nato, und sogar von libyschen Warlords", sagte der Obmann der Linkspartei im Auswärtigen Ausschuss, Stefan Liebich, dem Inforadio des RBB. Stattdessen müssten die Fluchtursachen beseitigt und legale Möglichkeiten zur Einreise geschaffen werden.

Die Zahl der in Italien ankommenden Flüchtlinge ist zuletzt deutlich gesunken. Im August fiel sie laut italienischem Innenministerium um 90 Prozent. Die libysche Küstenwache begründete die Entwicklung mit intensiveren Kontrollen im Mittelmeer. Zudem hätten sich mehrere private Rettungsboote zurückgezogen, wodurch sich weniger Schmuggelboote auf den Weg machen würden, sagte ein Sprecher der libyschen Küstenwache.

Experten gehen jedoch davon aus, dass der Rückgang auch mit dem Aufkommen einer neuen bewaffneten Gruppe in Libyen zu tun haben könnte, die die Schlepper am Ablegen hindert. Die Entwicklung wird auch mit Italiens Vorgehen in Libyen begründet. Unter anderem unterstützt die italienische Regierung libysche Kommunen. "Wir können nicht sagen, ob es sich um eine lang anhaltende Entwicklung handelt", sagte eine Sprecherin der Internationalen Organisation für Migration (IOM).

Warnung vor Menschenrechtsverletzungen

Kritiker werfen der Europäischen Union vor, Menschenrechtsverletzungen durch libysche Kräfte hinzunehmen. "Italien und die EU dürfen sich an Menschenrechtsverletzungen nicht mitschuldig machen", sagte die Fraktionsvorsitzende und migrationspolitische Sprecherin der Grünen im Europäischen Parlament, Ska Keller. "Italien muss offenlegen, ob es Milizen unterstützt, die das Auslaufen von Flüchtlingsbooten verhindern, und ob EU-Gelder dabei im Spiel sind."

Libyen ist derzeit das wichtigste Transitland für Flüchtlinge, die versuchen, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. In dem Land herrscht nach jahrelangem Bürgerkrieg Chaos. Zahlreiche Milizen kämpfen um die Macht. In diesem Jahr erreichten insgesamt bislang mehr als 98.000 Flüchtlinge Italien.