Der Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen hat den neuen Raketentest Nordkoreas in einer Sondersitzung einstimmig als "empörend" verurteilt. Zudem wurde Nordkorea aufgerufen, konkrete Schritte zu gehen, um die Spannungen auf der nordkoreanischen Halbinsel zu senken.

Trotz bereits geltender Sanktionen hatte Nordkorea eine Rakete über den Norden Japans hinweg in Richtung Pazifik gefeuert und damit harsche internationale Kritik ausgelöst. Machthaber Kim Jong Un bestätigte den "erfolgreichen" Test einer Mittelstreckenrakete vom Typ Hwasong-12, er sei "äußerst zufrieden".

Die 15 Mitglieder des höchsten UN-Gremiums riefen Nordkorea auf, weitere Tests zu unterlassen und – im Einklang mit früheren UN-Resolutionen – sein Atomprogramm einzustellen. Die Raketentests unterminierten "absichtlich regionalen Frieden und Stabilität und haben weltweit große Sicherheitsbedenken ausgelöst", heißt es in einer im Anschluss an die Sondersitzung verbreiteten Erklärung. "Der Sicherheitsrat betont, dass diese Aktionen Nordkoreas nicht nur eine Bedrohung für die Region, sondern für alle UN-Mitglieder darstellen."

China kündigt "notwendige Antwort" an

Über mögliche neue Sanktionen steht nichts in dem Dokument; es hieß lediglich, die bestehenden Sanktionen müssten strikt umgesetzt werden. Der Rat wolle eine friedliche, diplomatische und politische Lösung für den Konflikt mit Nordkorea finden. China bekräftigte, die internationalen Sanktionen gegen Nordkorea vollständig einzuhalten. Außenminister Wang Yi sagte aber auch, seine Regierung werde mit den anderen Mitgliedern des Sicherheitsrats darüber beraten, wie am besten auf das Abfeuern zu reagieren sei. Die "notwendige Antwort" werde kommen.

Mehrere Botschafter hatten vor dem nicht öffentlichen Treffen gesagt, sie hofften auf eine einheitliche Antwort des Rats auf die Raketentests. Es müsse etwas "Ernsthaftes" passieren, drängte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley.

"Es ist an der Zeit, dass Nordkorea die Gefahr erkennt, in die es sich selbst bringt", sagte Haley nach Ende des Treffens. Auch der japanische UN-Botschafter Koro Bessho forderte mehr Druck auf Kim Jong Un. Großbritanniens Botschafter Matthew Rycroft legte nahe, dass die Ratsmitglieder über noch härtere Sanktionen nachdenken müssten. Nordkorea ist kein Mitglied des Rats.

Südkoreas Präsident und der japanische Ministerpräsident sahen in dem Raketentest "mehr als eine Provokation". Er sei ein gewalttätiger Akt gegen ein Nachbarland, teilten Moon Jae In und Shinzō Abe nach einem gemeinsamen Telefonat mit. Sie kündigten an, in engem Kontakt zu bleiben und sich im September zu treffen.

Nordkorea - Mittelstreckenrakete fliegt über Japan Am Dienstagmorgen feuerte Nordkorea eine Mittelstreckenrakete ab, die über Japan hinwegflog. Japans Ministerpräsident sprach von einer «ungeheuren Bedrohung des Friedens». © Foto: AFP/Getty Images

Kim sagte, der Raketentest sei eine Antwort auf die Manöver des südkoreanischen und US-Militärs, meldete die nordkoreanische Agentur KCNA. Der Test "unter simulierten Kriegsbedingungen" sei "ein erster Schritt der Koreanischen Volksarmee im Pazifik und ein bedeutungsvolles Vorspiel, um Guam in Schach zu halten". Die Insel ist US-Territorium und Sitz eines großen Marine- und Luftwaffenstützpunkts.

Kim kündigt weitere Tests an

Nordkorea werde weiterhin das Verhalten der USA beobachten, hieß es bei KCNA weiter. Das Land werde Kim zufolge noch mehr Raketen in Richtung des Pazifiks schießen, um die Fähigkeiten seiner Streitkräfte auszubauen.

Das neueste Säbelrasseln überrasche ihn nicht, kommentierte der Heimatschutzbeauftragte Guams, George Charfauros. Nordkorea habe seine Rhetorik in der Vergangenheit während gemeinsamer Militärmanöver der USA und Südkorea immer wieder verschärft. Die Bewohner Guams seien jedoch sicher.

Friedensforscherin: "unkalkulierbares Risiko"

Nordkorea nehme mit seinen Tests ein unkalkulierbares Risiko in Kauf, warnte Shannon Kile, die für das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri über die Region forscht. "Eine Missfunktion oder ein Unfall hätten dazu führen können, dass die Rakete auf japanischem Territorium aufschlägt", sagte Kile der Neuen Osnabrücker Zeitung. Zudem habe Nordkorea internationale Normen verletzt, indem es den Test zuvor weder der internationalen kommerziellen Luftfahrt noch dem Schiffsverkehr angezeigt habe.

Kile warnte vor einer "gefährlichen und potenziell destabilisierenden Entwicklung in der Region". Nach den Bemerkungen von US-Präsident Donald Trump, Nordkorea lenke infolge der härteren Gangart der USA wohl ein, "will Nordkorea offenbar ein Zeichen der Unnachgiebigkeit setzen". Deshalb müsse endlich ein diplomatischer Ansatz gefunden werden, um die Spannungen Schritt für Schritt zu reduzieren und die ihnen zugrunde liegenden Ursachen anzugehen, forderte die Expertin. Das Regime von King Jong Un verfüge inzwischen über nuklearfähiges Material für zehn bis 20 Atomsprengköpfe.