Donald Trump - US-Präsident droht Nordkorea mit Militärschlag Die Führung in Nordkorea hat mit einem Präventivangriff gewarnt, sollten die USA einen Militärschlag wagen. Daraufhin drohte der US-Präsident Donald Trump Nordkorea mit "Feuer und Zorn". © Foto: Jonathan Ernst/Reuters

US-Außenminister Rex Tillerson hat im Konflikt mit Nordkorea nach der drohenden Rhetorik von US-Präsident Donald Trump versucht, die Gemüter zu beruhigen. "Die Amerikaner sollten nachts ruhig schlafen", sagte Tillerson. Er glaube nicht, dass es eine unmittelbare Bedrohung gebe.

Trump hatte zuvor seine bislang deutlichste Warnung an die Staatsführung in Pjöngjang gerichtet. "Nordkorea sollte den USA besser nicht weiter drohen. Ihnen wird mit Feuer und Zorn begegnet werden, wie es die Welt niemals zuvor gesehen hat", hatte Trump gesagt. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un sei "über das normale Maß hinaus sehr drohend" gewesen. Dem Land werde mit einer "Macht begegnet werden, wie es die Welt so noch niemals zuvor gesehen hat".

Tillerson sprach von einer "starken Botschaft" Trumps – "in einer Sprache, die Kim Jong Un verstehen kann, weil er diplomatische Sprache nicht zu verstehen scheint". Der Präsident habe nur klar sein wollen gegenüber Nordkorea über "die unbestreitbaren Fähigkeiten der USA, sich selbst zu verteidigen, dass sie sich selbst und ihre Verbündeten verteidigen werden".

Tillersons deutscher Amtskollege Sigmar Gabriel (SPD) kritisierte die Äußerungen deutlich. Trumps Rhetorik mache Sorgen und Angst, "dass wir ähnlich wie im Ersten Weltkrieg schlafwandlerisch in einen Krieg hineinmarschieren, bloß eben in diesem Fall in einen Krieg, der im Zweifel mit Atomwaffen geführt wird", sagte Gabriel im ugandischen Entebbe.

Trumps Drohungen waren improvisiert

Laut Informationen der New York Times äußerte Trump die Warnungen ohne vorherige Absprache mit seinem Team und "vollkommen improvisiert". Bei dem Papier, auf das er während seines Statements immer wieder blickte, handelte es sich demnach nicht um einen von Beratern vorbereiteten Sprechzettel, sondern um eine Faktensammlung über die derzeitige Opiumkrise in den USA. Der Präsident sei in "kriegerischer Stimmung" gewesen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf einen Regierungsmitarbeiter, der kurz zuvor mit Trump geredet haben soll.

Dass die USA auf die nordkoreanischen Drohungen mit "Feuer und Zorn" reagieren würden, hatte der Präsident dem Bericht zufolge in internen Besprechungen immer wieder so formuliert. Die öffentliche Verwendung führen die von der New York Times zitierten Vertrauensleute auf den derzeitigen Frust des Präsidenten zurück. Hintergrund sei, dass die US-Medien die von den USA erwirkten Sanktionen gegen Nordkorea nicht ausreichend gewürdigt hätten.

Raketensysteme & Reichweiten Nordkorea

Theoretische Reichweiten nordkoreanischer Raketensysteme, geschätzt und hochgerechnet

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Trump lobt US-Atomwaffen

Auf Twitter legte Trump am Mittwoch nach. "Mein erster Befehl als Präsident war, das nukleare Arsenal zu erneuern und zu modernisieren", schrieb er. Jetzt sei es stärker als jemals zuvor. "Hoffentlich werden wir diese Macht nie nutzen müssen. Aber es wird nie eine Zeit geben, in der wir nicht die mächtigste Nation der Welt sein werden."

Nordkorea reagierte auf Trumps Drohung harsch. Das Land ziehe ernsthaft einen Angriff auf Guam in Erwägung, hieß es in Erklärungen der Armee, die von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreitet wurden. Ein solcher Plan könne jederzeit umgesetzt werden, sobald Machthaber Kim dies befehle.

Die USA nutzen Guam, das 3.500 Kilometer von Nordkorea entfernt liegt, als militärischen Vorposten. Neben B-52-Langstreckenbombern hat das US-Militär dort auch einen U-Boot-Verband und Tausende Soldaten stationiert. Die Insel wird vom Raketenabwehrsystem Thaad geschützt. Der Gouverneur von Guam, Eddie Calvo, warnte Nordkorea vor einem Angriff. "Guam ist amerikanischer Boden." Die Insel sei für alle Eventualitäten gewappnet.

Korea-Konflikt - Furcht vor militärischer Eskalation des Konflikts wächst Nach gegenseitigen Drohungen beider Staatschefs hat sich der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea weiter zugespitzt. Der UN-Sicherheitsrat hatte vergangene Woche Sanktionen gegen das international isolierte Land verhängt. © Foto: KIM WON-JIN/AFP/Getty Images

China warnt vor Eskalation

Nordkoreas engster Verbündeter China rief zur Ruhe und einer Rückkehr an den Verhandlungstisch auf, um eine politische Lösung zu finden. Alle Beteiligten sollten Worte und Taten vermeiden, die die Probleme verschärfen könnten, hieß es aus Peking, das sich selbst über Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm verärgert gezeigt hatte.

Südkorea teilte mit, dass man eine friedliche Lösung weiterhin für möglich halte. Südkoreas Hauptstadt Seoul mit ihren zehn Millionen Einwohnern liegt in Reichweite nordkoreanischer Raketen und Artillerie, die die USA in einem ersten Schlag nicht zerstören könnten. In Südkorea und Japan sind noch immer Zehntausende US-Soldaten stationiert. Formal befinden sich die USA und Südkorea noch im Krieg mit Nordkorea, da der Konflikt von 1950 bis 1953 nur mit einem Waffenstillstand und nicht mit einem Friedensvertrag endete.