Steve Bannon ist raus aus dem Weißen Haus und die Zeitungen und Webseiten sind voll davon, nicht nur in den USA. Sein Abgang markiert einen Bruch in der Präsidentschaft Donald Trumps – gleichgültig, ob der Chefstratege entlassen wurde oder freiwillig ging, wie Bannon selbst kolportiert. Er war einer der einflussreichsten Berater des Präsidenten. Wer hat nun die Macht in der US-Regierung? Verändert sich Trumps Politik ohne Bannon? Wird der Ex-Berater dem Präsidenten gefährlich werden? Was hat Bannon vor?

Sein Abschied macht noch einmal deutlich, wie tief gespalten die Republikaner und Konservativen in den USA sind. Selbst rechte Medien begrüßten seinen Abgang, berichtet der britische Guardian. Die Ultrarechten hingegen, Bannon eingeschlossen, erklärten der verbleibenden US-Regierung – wenngleich nicht dem Präsidenten – wortwörtlich den "Krieg".

"Das ist jetzt ein demokratisches Weißes Haus", zitiert der Vanity-Fair-Reporter Gabriel Sherman einen Freund Bannons auf Twitter. "Demokratisch" meint wohl die Partei der Demokraten. Aus Sicht der Rechten ist das ein schlimmes Schimpfwort. Bei Breitbart, dem rechten Newsportal, feierten sie schon "die Rückkehr unseres Captains", twittert Sherman weiter. Bannon bereite einen "Krieg" gegen Rupert Murdoch vor.

Murdoch, Eigentümer von Trumps Lieblingssender Fox News und seit Langem ein überzeugter Unterstützer der Republikaner, ist nach Bannons Interpretation ein verkappter Demokrat. Der Medienmogul hingegen soll Trump schon vor Bannons Abgang mehrmals aufgefordert haben, seinen Chefstrategen zu entlassen, berichtet die New York Times.

Bannon gegen Globalisten

Dass der Konflikt zwischen den beiden sich ausgerechnet jetzt verschärft, könnte an Murdochs Sohn James liegen. Er hatte den Präsidenten angegriffen, weil dieser die Naziaufmärsche in Charlottesville nicht eindeutig verurteilt hatte. "Ich kann nicht glauben, dass ich das schreiben muss: Es gibt keine guten Nazis, oder Klansmänner, oder Terroristen", schrieb James Murdoch in einer Mail an Berater und Freunde. Er versprach eine hohe Geldspende an die Anti-Defamation League, einer internationalen Organisation, die sich gegen Antisemitismus einsetzt.

Bannon steht den Ultrarechten den USA besonders nahe. Doch nicht nur die Alt-Right Bewegung, die Ku-Klux-Klan-Männer und Neonazis verlieren durch seinen Abschied einen Verbündeten im Weißen Haus. Während die Mehrheitsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus und Senat erleichtert über Bannons Abgang sein dürften, haben die rechten Hardliner unter den republikanischen Abgeordneten dort nun keinen Ansprechpartner mehr. Es scheint, als hätten Bannons gemäßigte Gegner – Leute wie Trumps Tochter Ivanka, sein Schwiegersohn Jared Kuchner, sein neuer Stabschef John Kelly, Wirtschaftsberater Gary Cohn und Sicherheitsberater H.R. McMaster – den internen Machtkampf für sich entschieden.

Sein Hass auf "die Globalisten" im Weißen Haus habe Bannon am Ende zerstört, schreibt Bill Scher auf der Webseite Politico. Die Globalisten: Damit meint Scher jene Berater Trumps, die sich gegen Bannons Plan einer wirtschaftlichen Abschottung der USA gestellt hatten. Am Ende hätten sie gegen Bannon gewonnen. 

Trump und das Establishment

Bannon steht für politischen Isolationismus, nicht nur in der Wirtschaftspolitik. Er glaubt an das Recht des Stärkeren, kritisiert Diplomatie und internationale Kooperationen, zum Beispiel jene innerhalb der Vereinten Nationen oder der EU. Und er sieht – ganz im Sinne von Trumps Motto "America First" – militärische Interventionen kritisch. Nachdem Bannon das Weiße Haus verlassen hat, könnten die USA etwa im Irak oder Syrien wieder interventionistischer agieren, schreibt Schers Kollege Michael Crowley ebenfalls auf Politico: "Die Falken steigen auf."

Der britische Guardian glaubt, dass Bannons Abwesenheit "Figuren wie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und seinem nationalen Wirtschaftsberater Gary Cohn mehr Macht und Einfluss bringt". Bannons Widersacher wollten den Präsidenten dazu bringen, "sich in die Mitte zu bewegen" und mit dem Establishment zusammenzuarbeiten.

Ob das gelingt, ist allerdings fraglich. Durch Bannons Abschied werde sich im Weißen Haus kaum etwas ändern, kommentiert Matthew Continetti in der New York Times: "Bannon wird überbewertet." Die "empörende Antwort" des Präsidenten auf die Geschehnisse in Charlottesville habe eines klargestellt: "Er selbst, und nicht Mr. Bannon, hält eine instinktive Verbindung zu seinen stärksten Unterstützern." Trump selbst sei "der wichtigste Kulturkrieger in dieser Regierung".