Die Briten verlieren das Vertrauen in eine erfolgreiche Verhandlungsstrategie von Premierministerin Theresa May für den Brexit. Laut einer Umfrage des Instituts ORB sind 61 Prozent der Befragten nicht mit Mays Vorgehen beim angestrebten Austritt aus der EU einverstanden. Der Vergleich mit den Befragungen der beiden Vormonate zeigt, wie stark der Rückhalt der Regierungschefin schwindet: Im Juli waren 56 Prozent unzufrieden mit ihrer Verhandlungsstrategie, im Juni 46 Prozent.

Verstärkt hat diesen Abwärtstrend laut ORB-Studie Mays Niederlage bei den vorzeitigen Neuwahlen am 8. Juni. Dadurch sei das Vertrauen in die Premierministerin weiter gesunken. Inzwischen würden nur noch 35 Prozent der Befragten erwarten, dass die Regierungschefin bei den Brexit-Gesprächen das Beste für Großbritannien herausholen wird.

May hatte sich von den vorgezogenen Neuwahlen eigentlich ein stärkeres Mandat für die anstehenden Brexit-Verhandlungen mit der EU erwartet. Stattdessen ist die Tory-Vorsitzende mitsamt ihrer Partei deutlich geschwächt worden und seitdem auf Unterstützung der nordirischen Partei DUP im britischen Parlament angewiesen.

Die Brexit-Verhandlungen zwischen der Regierung in London und der EU-Kommission in Brüssel sind problematisch gestartet: Es gibt viele ungelöste Streitpunkte, unter anderem die gegenseitigen finanziellen Verpflichtungen und der Status von Millionen Briten und EU-Bürgern im jeweils anderen Gebiet. Erst wenn diese Themen geklärt sind, soll über die Handelsbeziehungen nach dem Brexit verhandelt werden. Dieses Thema ist von besonderer Bedeutung für das Vereinigte Königreich, da es den EU-Binnenmarkt und die Zollunion mit dem geplanten EU-Austritt am 29. März 2019 verlassen will.

Derzeit weilt Theresa May im Urlaub in der Schweiz und ist immer wieder gezwungen, Berichte zur Brexit-Strategie zu dementieren. Vergangene Woche widersprach sie einem Bericht, wonach die Arbeitnehmerfreizügigkeit für EU-Bürger in Großbritannien für mehrere Jahre nach dem Brexit fortbestehen könnte. Nun wies sie einen Bericht des Telegraph über ein Kompromissangebot der Briten in Höhe von 40 Milliarden Euro zurück. Dieser Betrag liege "weit über dem, was sie als Ausgleichszahlung in Betracht ziehen würde oder über was gesprochen wurde", zitierte die Times eine ungenannte Quelle aus dem Umfeld der Premierministerin.