Im Fall des mutmaßlich in sein Heimatland verschleppten vietnamesischen Geschäftsmannes ermittelt jetzt die Bundesanwaltschaft. Es gehe um den Verdacht der geheimdienstlichen Agententätigkeit und der Freiheitsberaubung, teilte die Behörde mit. Die Ermittlungen richteten sich gegen namentlich bekannte und auch gegen unbekannte Beschuldigte, sagte eine Sprecherin. Ursprünglich war die Berliner Staatsanwaltschaft für den Fall zuständig.

Trinh Xuan Thanh, der in Deutschland Asyl suchte, war vor knapp drei Wochen aus Berlin verschwunden. Zeugen beobachteten, wie ein Mann und eine Frau mit Gewalt in ein Auto bugsiert wurden. Später tauchten beide in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi auf. Später verlas er im Staatsfernsehen eine Erklärung, in der er die offizielle vietnamesische Version seiner Rückkehr bestätigte, wonach er freiwillig nach Vietnam gereist sei und nicht entführt wurde.

Die Bundesregierung geht dagegen davon aus, dass der vietnamesische Geheimdienst und die Botschaft des Landes in Berlin an der mutmaßlichen Entführung mitgewirkt haben. Thanh wird in seinem Heimatland zur Last gelegt, als Chef einer Tochterfirma des staatlichen Öl- und Gaskonzerns PetroVietnam für Verluste von umgerechnet etwa 125 Millionen Euro verantwortlich zu sein. Bei einer Verurteilung droht dem ehemaligen Funktionär der Kommunistischen Partei Vietnams im schlimmsten Fall die Todesstrafe.

Bei seinem Auftritt im Staatsfernsehen hatte Thanh auch gesagt, dass er sich entschuldigen wolle und auf Strafmilderung hoffe. Laut Bundesanwaltschaft hatte Vietnam ein Auslieferungsersuchen an Deutschland gerichtet, über das noch nicht entschieden worden war.

Das Verschwinden des 51-Jährigen belastet die Beziehungen zwischen Berlin und Hanoi. In direkter Konsequenz hatte die Bundesregierung den obersten Vertreter des vietnamesischen Geheimdienstes in Berlin aufgefordert, Deutschland binnen 48 Stunden zu verlassen. Forderungen, Thanh zurückreisen zu lassen, kam die vietnamesische Regierung nicht nach.