Der geplante Bau einer Mauer zwischen den USA und Mexiko – eines der zentralen Wahlversprechens von US-Präsident Donald Trump – stockt, doch auch so registrieren amerikanische Grenzbeamte immer weniger Migranten ohne gültige Einreisepapiere an der Grenze. Dies teilte das US-Heimatschutzministerium mit. Im ersten Halbjahr 2017 seien 126.472 Menschen angehalten worden – 46 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahrs. Gleichzeitig habe sich die Zahl der Festnahmen von sogenannten irregulären Migranten erhöht. Außerdem habe es 32 Prozent mehr Rückführungen an die Grenze gegeben.

"Das ist das Ergebnis der Führung des Präsidenten Donald Trump", sagte Vizepräsident Mike Pence in einem Interview mit dem Sender Fox News. "Aber wir brauchen den Kongress, um diese Bemühungen fortzusetzen." Außerdem wiederholte Pence das Wahlversprechen, eine Mauer zu Mexiko zu bauen. Um weiter für das Vorhaben zu werben, wird Trump am Dienstag in Yuma im südöstlichen Bundesstaat Arizona erwartet. Dort wurde bereits eine 100 Kilometer lange Grenzmauer errichtet. Einem Sprecher des Heimatschutzministeriums zufolge soll Trumps Besuch zeigen, was ein Grenzzaun in Kombination mit verstärkten Kontrollen bewirken könne. Die Zahl der illegalen Grenzüberquerungen sei dort um mehr als 80 Prozent zurückgegangen. "Was einst einer der unsichersten Grenzgebiete in Amerika war, ist wegen der Investitionen nun eines der sichersten", sagte der Sprecher.

Ob es letztlich zu einer vollständigen Grenzmauer kommt und wer sie bezahlen soll, bleibt derweil noch offen. Der neue Stabschef und Ex-General John F. Kelly hatte bei seinem Amtsantritt Ende Juli eine Vollendung innerhalb von zwei Jahren versprochen. Anfang August war allerdings ein Telefonat zwischen Trump und dem mexikanischen Staatschef Enrique Peña Nieto geleakt worden. Demnach soll Trump Peña Nieto im Streit um die geplante Grenzmauer bedrängt haben. "Ich muss Mexiko für die Mauer bezahlen lassen – ich muss", sagte Trump laut einem von der Washington Post zitierten Gesprächsprotokoll. Weiterhin soll der US-Präsident seinen mexikanischen Kollegen im Januar aufgefordert haben, nicht mehr öffentlich zu sagen, dass Mexiko die Mauer nicht bezahlen werde. Er drohte dem Bericht zufolge sogar mit einem Gesprächsboykott und schlug dem Mexikaner eine unverbindliche öffentliche Formulierung vor: "Wir sollten beide sagen: 'Wir werden eine Lösung finden'."

Die US-Regierung arbeitet unterdessen weiter an einer weiteren Verschärfung des Einwanderungsrechts. Sie will nicht nur illegale, sondern auch legale Einwanderung erschweren. Ein neuer Gesetzesentwurf soll unter anderem die Vergabe von Greencards, also dauerhaften Aufenthaltsgenehmigungen, auf etwa 500.000 halbieren. Trump sprach in dem Zusammenhang von der "bedeutendsten Reform unseres Einwanderungssystems in einem halben Jahrhundert".

Dennoch versuchen Migranten nach wie vor, die Grenze zu überqueren. Ende Juli waren in Mexiko 178 Menschen aus Mittelamerika aus einem Lastwagen befreit worden und damit knapp dem Tod entgangen. Schleuser hatten den Sattelschlepper auf dem Weg in die USA in der Stadt Tantima im Osten des Landes abgestellt und die eingepferchten Menschen ihrem Schicksal überlassen. Einige konnten jedoch aus dem Lastwagen fliehen und Hilfe holen. Sie wurden in ein Auffanglager gebracht und ärztlich versorgt. Danach wurden sie wieder in ihre Heimatländer zurückgebracht. Laut Behörden waren unter den Betroffenen auch mehrere Minderjährige.